E-Commerce

Axel Springer kauft meinestadt.de

Der Verlag baut sein Rubrikengeschäft aus. Die Internetseite ist Markführer unter den regionalen Portalen

- Die Axel Springer AG treibt den Ausbau des Digitalgeschäfts mit der Übernahme von meinestadt.de voran. Springer übernehme die Muttergesellschaft des Internetportals mit 300 Mitarbeitern, teilte der Medienkonzern ("Bild", Berliner Morgenpost) am Dienstag mit. Verkäufer sind die Gründerfamilie Stegger, die die Mehrheit der Aktien hielt, sowie der Stuttgarter Verlag Holtzbrinck. Der Kaufpreis liege bei rund 50 Millionen Euro, sagte eine mit der Transaktion vertraute Person. Meinestadt.de bietet im Internet Informationen zu mehr als 11.000 Städten und Gemeinden in Deutschland. Die Übernahme muss noch vom Kartellamt genehmigt werden.

Der Erwerb der Seite ist die zweite Transaktion des Gemeinschaftsunternehmens Axel Springer Digital Classifieds, das das Verlagshaus seit März 2012 mit dem US-Finanzinvestor General Atlantic betreibt. Die erste Übernahme war der führende britische Online-Stellenanbieter Totaljobs im April. Digital Classifieds bündelt das Online-Rubrikengeschäft des Verlagshauses. Dazu gehören die europäische Online-Jobbörse StepStone sowie die französischen und deutschen Immobilienportale SeLoger und Immonet. An dem Joint Venture hält Axel Springer 70 Prozent der Anteile, General Atlantic ist mit 30 Prozent beteiligt.

Der Medienkonzern will sich bei der Expansion nicht auf Europa beschränken. "Wir wollen auch außerhalb Europas wachsen. Es gibt noch viele attraktive Märkte", sagte Ralph Büchi, Vorstand Internationales, dem "Handelsblatt". Man sondiere "in Indien und Südostasien immer wieder Möglichkeiten für Zukäufe".

Auf dem Internetportal meinestadt.de finden Nutzer lokale und regionale Inhalte, darunter Stellenangebote, Immobilien- und Autoinserate sowie Kleinanzeigen für derzeit insgesamt 11.337 deutsche Städte und Gemeinden. Die regional spezifischen Portalseiten bieten Stadtinformationen und Freizeittipps, Informationen zu Veranstaltungen und Kinoprogrammen sowie ein Branchenverzeichnis.

Die Plattform wird betrieben von der allesklar.com AG. Das Unternehmen wurde 1996 von Manfred Stegger in Siegburg gegründet. Zuletzt hat die AG einen Umsatz zwischen 20 und 30 Millionen Euro erwirtschaftet. meinestadt.de ist ihr wichtigstes Angebot. Mehr als acht Millionen Nutzer klicken monatlich auf die Internetseite. "meinestadt.de ist nachhaltig profitabel gewachsen, hat eine sehr hohe Reichweite und Markenbekanntheit sowie enorme Entwicklungsperspektiven aufgrund seiner regionalen und lokalen Verankerung", sagt Jens Müffelmann, Leiter Elektronische Medien bei Axel Springer. Das führende Angebot unter den Regionalportalen ergänze das Portfolio der überregionalen Rubrikenmarktplätze.

Manfred Stegger, Gründer und Vorstandsvorsitzender der allesklar.com, wird das Unternehmen verlassen. "Ich übergebe Axel Springer Digital Classifieds eine gesunde, sehr profitable Firma, die in diesem Jahr das beste Ergebnis ihrer Geschichte schreibt", sagte er. Seine Nachfolge tritt spätestens zum 1. Januar 2013 Georg Konjovic an. Der 34-Jährige ist seit dem 2011 Director Premium Content der Axel Springer. Von 2007 bis 2010 war er Geschäftsführer von hamburg.de, dem Stadtportal Hamburgs, das ebenfalls zur Axel Springer AG gehört. Zu einer Kannibalisierung der Springer-eigenen Regionalportale wie hamburg.de durch meinestadt.de werde es nicht kommen, sagt Müffelmann. Die beiden Angebote seien im engeren Sinne keine direkten Konkurrenten, da hamburg.de als Stadtportal seinen Schwerpunkt auf lokale Kooperationen allein in Hamburg legt, während meinestadt.de auf überregionale Rubrikenmärkte ausgerichtet sei.