Entlassungen

Siemens prüft Abbau von bis zu 10.000 Stellen

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Der Technologiekonzern bekommt die Folgen der Finanzkrise und eigener Fehler zu spüren

- Der Technologiekonzern Siemens prüft offenbar den Abbau von tausenden Arbeitsplätzen. Wie die "Börsenzeitung" berichtet, plant Vorstandschef Peter Löscher, das Sparprogramm im Herbst vorzulegen. Bis zu 10.000 Stellen sollen wegfallen. Siemens wollte den Bericht nicht kommentieren.

Insoweit ist unklar, ob und wie stark die Streichpläne Berlin betreffen werden. Der Konzern beschäftigt in seinem Werken in der Hauptstadt mehr als 12.000 Menschen. Berlin ist noch der größte Siemens-Produktionsstandort weltweit. In Moabit werden Kraftwerksturbinen produziert, in Siemensstadt gibt es das Dynamowerk sowie die Schaltwerke für Nieder- und Mittelspannung.

Abbauprogramme haben bei Siemens Tradition, im vergangenen Jahrzehnt reihte sich eines ans nächste. Sie trugen illustre Namen wie Fit4More oder Fit42010. Hatte Löscher noch, als Siemens Rekordgewinne schrieb, versprochen, es sei nun Schluss mit neuen Programmen, sieht er sich nun durch die aufkommende Krise gezwungen zu reagieren. Siemens beschäftigte zum 30. Juni weltweit 370.000 Mitarbeiter, darunter 119.000 in Deutschland. Das Unternehmen hat während der Boomphase massiv Stellen geschaffen, alleine im laufenden Geschäftsjahr 3000 in Deutschland und 10.000 im Ausland.

Noch im Herbst 2010 hatte Löscher zudem in einem Beschäftigungspakt mit der IG Metall und dem Betriebsrat einen unbefristeten Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen. Die Vereinbarung gibt zwar Sicherheit. Bei schweren wirtschaftlichen Verwerfungen kann jedoch das Management von dieser Vereinbarung Abstand nehmen.

Großprojekte sind ausgeblieben

Und die könnte es geben: Löscher musste Ende Juli schwache Geschäftszahlen präsentieren. So dürfte das ohnehin schon gesenkte Gewinnziel von 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro für dieses Geschäftsjahr nicht mehr zu erreichen sein. Das Problem: Siemens hat über die Maßen in Forschung und Entwicklung sowie Verwaltung und Vertrieb investiert und wird nun vom Abschwung getroffen. Großprojekte wie Kraftwerksbauten oder große Zugaufträge blieben aus. Die Investitionszurückhaltung der Kunden nehme zu, der Konzern spüre vor allem in den industriellen kurzzyklischen Geschäften stärkeren konjunkturellen Gegenwind. Nun muss Siemens runter von diesen Kostenblöcken.

Aber es gibt auch hausgemachte Probleme: Komplett verschätzt hat sich der Vorstand etwa bei komplexen Netz-Anbindungen von Windparks in der Nordsee. Weil Siemens dem Zeitplan hinterherhinkt, schrieben die Münchner bis Ende Juni bereits rund 500 Millionen Euro in den Wind. Bei der internationalen Konkurrenz lief es teils deutlich besser. So profitierte etwa der US-Erzrivale General Electric von einem brummenden Industriegeschäft.

Löscher kündigte im Juli für den Herbst ein Programm an, mit dem der Konzern auf geringere Kosten und mehr Effizienz getrimmt werden soll. Fragen nach einem bevorstehenden Stellenabbau ließ der Vorstandschef offen. Seither wird aber im Unternehmen über alle Geschäftsbereiche hinweg nach Einsparpotenzial gesucht. Den fertigen Plan will Löscher Anfang Oktober auf einer Tagung in Berlin seinen 500 wichtigsten Führungskräften erläutern. Danach sollen die Mitarbeiter informiert werden.

Man kann davon ausgehen, dass Löscher bei der neuerlichen Sparrunde die enge Absprache mit den Arbeitnehmervertretern sucht. Denn die haben traditionell großen Einfluss im Technologiekonzern. So ist auch IG Metall-Chef Berthold Huber stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats. Löscher und Huber verbindet, dass sie in der Wirtschaftskrise die Ausweitung der Kurzarbeiterregelung anregten. Die letzte große Abbauwelle startete bei Siemens 2008, als weltweit 17.000 Jobs gestrichen wurden.

( JH/gri )