Energie

Umweltminister will Biosprit E10 vom Markt nehmen

Dirk Niebel führt steigende Nahrungsmittelpreise an

- An den Tankstellen gehört das Superbenzin E10 längst zum Tagesgeschäft: Beim Marktführer Aral tankt jeder fünfte Autofahrer diese Benzinsorte, beim Konkurrenten Esso sind es nach eigenen Angaben 18 Prozent, in der gesamten Branche gut 14 Prozent. Die Ölkonzerne sprechen von einem steigenden Trend. Der Ärger um die verpatzte Einführung und die Verträglichkeit für die Automotoren scheint also in weiten Teilen abgeklungen zu sein.

Und doch könnte E10 jetzt wieder zum Streitthema werden: Denn seit Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) einen sofortigen Verkaufsstopp für den Biosprit gefordert hat, kommt in den Unternehmen erneut eine Diskussion auf. Esso spricht direkt vom "Problemkind E10", das eigentlich keiner so richtig haben möchte. Niebel begründet seinen Vorstoß mit weltweit steigenden Nahrungsmittelpreisen und Problemen mit der Ernährung der Menschen.

Die Bioenergie-Branche ist verwundert über den geforderten Verkaufstopp. In einem am Donnerstag veröffentlichten Offenen Brief an den Minister erklärte der Chef des Bundesverbandes BioEnergie, Helmut Lamp, er habe nach Berichten über die Dürre in den USA zwar mit solchen Forderungen gerechnet. "Nur nicht von Ihnen", schrieb der Verbandschef an Minister Niebel gerichtet.

Niebels Ministerium habe zum Beginn der Amtszeit des Ministers "ein wirklich ausgewogenes Konzept hinsichtlich der Zielsetzungen der Bioenergie in Entwicklungsländern vorgestellt", erklärte Lamp. Deswegen wäre es "wünschenswert", wenn sich Niebel für nachhaltige Landwirtschaftssysteme in Entwicklungsländern einsetze. Stattdessen hätten sich die Auszahlungen der deutschen Entwicklungshilfe für zukunftsgerechte Landbaumethoden zwischen 1998 und 2006 auf 56,4 Millionen Euro mehr als halbiert.

Bei E10 werden dem Benzin zehn Prozent Biokraftstoff hinzu gegeben: Meist handelt es sich dabei um Ethanol, das aus Mais oder Getreide hergestellt wird. Diese Beimischungspflicht führt nach Meinung Niebels dazu, dass Menschen zu wenig Nahrung hätten. Deshalb müsse die Regierung das entsprechende Gesetz sofort aussetzen. Weder das Wirtschafts- noch das Umweltministerium gehen auf Niebels Forderung ein.

Nach Angaben des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie gingen im vergangenen Jahr vier Prozent von der Getreideernte in die Produktion von Bioethanol. Ein Verbot bliebe ohne Auswirkungen auf die Situation in Entwicklungsländern, behauptet der Verband.