Gesundheit

Die neue mobile Arbeitswelt macht krank

Hohe Fehlzeiten wegen psychischer Beschwerden

- Überstunden, die ständige Erreichbarkeit und das Pendeln zum oft weit entfernten Arbeitsplatz machen immer mehr Arbeitnehmer krank. Sie fehlen dann am Arbeitsplatz. Jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland hat in den vergangenen vier Wochen Überstunden gemacht oder Anrufe und E-Mails außerhalb der Arbeitszeit bekommen, wie der "Fehlzeiten-Report" des Wissenschaftlichen Instituts der AOK ergab. 2000 Menschen wurden dafür befragt, Daten von mehr als 17 Millionen AOK-Mitgliedern ausgewertet.

Bei Millionen von Bundesbürgern verwischen die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben immer mehr. Als Folge davon fühlen sie sich niedergeschlagen und unausgeglichen. Sie können in der Freizeit nicht richtig abschalten und schlafen schlecht. "Deutliche Signale für psychische Belastungen", sagte Helmut Schröder, Vize-Chef des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. "Arbeitnehmer, die ständig erreichbar sind, die immer am oberen Limit arbeiten, Beruf und Freizeit schlecht trennen können oder lange Anfahrtswege zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen, sind hohen psychischen Belastungen ausgesetzt." Davon könnten mehr als zehn Millionen Menschen betroffen sein. Auch wenn der Zusammenhang zwischen einem flexibleren Arbeitsleben und einer zunehmenden Zahl psychischer Krankheiten noch nicht endgültig belegt sei, stehe fest: "Flexible Arbeitswelten fordern die Psyche der Mitarbeiter", sagte Schröder.

Nach Angaben von AOK-Vorstand Uwe Deh ist seit 2004 die Zahl der Versicherten, die wegen einer psychischen Erkrankung behandelt werden, um 40 Prozent gestiegen. Allein 2011 beliefen sich die Behandlungskosten auf 9,5 Milliarden Euro - eine Milliarde Euro mehr als noch vor acht Jahren. Zwar werden noch immer mehr Arbeitnehmer wegen Erkältungen oder Rückenleiden krank geschrieben als wegen psychischer Probleme, doch die daraus resultierenden Fehltage sind ungleich höher. Wer wegen einer Erkältung nicht zur Arbeit kommt, bleibt in der Regel eine Woche weg. Wer wegen psychischer Erkrankungen krank geschrieben ist, fällt einen Monat aus - oft sogar länger.