Börsengang

Direct Line träumt von der Freiheit

Der Autoversicherer aus Teltow plant nach der Abspaltung von der britischen Bank RBS erste Zukäufe

- Deutschlands drittgrößter Auto-Direktversicherer Direct Line aus Teltow will den geplanten Börsengang der britischen Muttergesellschaft für eine stärkere Expansion nutzen. Die Abnabelung von der verstaatlichten britischen Bank RBS, die ihre Versicherungstochter verkaufen muss, werde Direct Line größere Freiheiten bringen, sagte Deutschland-Chef Uwe Schumacher. Obwohl die deutsche Direct Line Versicherung AG auch im laufenden Jahr aus eigener Kraft wieder um acht Prozent wachsen wolle, gebe es auch Pläne für Zukäufe: "Solche Dinge kann man sich vorstellen", sagte Schumacher. Direct Line beschäftigt in Teltow rund 350 Mitarbeiter.

Der deutsche Markt für Kfz-Versicherungen, auf dem sich noch mehr als 100 Gesellschaften tummeln, werde sich konsolidieren, sagte Schumacher voraus. "Für viele, vor allem kleinere Versicherer, wird es immer schwieriger, das Geschäft profitabel zu betreiben", glaubt der Direct-Line-Chef. Sein Unternehmen, das mit gut 450.000 versicherten Fahrzeugen und einem Prozent Marktanteil etwa auf Platz 30 liege, schreibt seit 2010 schwarze Zahlen, wie Finanzvorstand Christian Sooth sagte. 2011 stieg der Gewinn nach HGB auf 2,2 (0,7) Millionen Euro. Dabei hätten die Kapitalanlagen im vergangenen Jahr wegen der Finanzkrise sieben Millionen Euro weniger abgeworfen.

Im laufenden Jahr soll deshalb deutlich mehr herausspringen. "Solch ein Gewinn sollte aus Sicht eines Investors nicht das Ende der Fahnenstange sein", sagte Schumacher. Für die Mutter, mit 25 Millionen Verträgen in Großbritannien der Platzhirsch, sei das Ergebnis in Deutschland aber "nicht so ausschlaggebend". RBS Direct hatte 2002 die sechs Jahre zuvor gegründete Allstate Direct in Deutschland mit 100.000 Verträgen übernommen, heute ist die Marke aus der Werbung mit ihrem roten Telefon auf Rädern bekannt.

Doch die Royal Bank of Scotland (RBS) muss die Mehrheit an ihrem Versicherungsgeschäft bis 2013 abgeben, nachdem sie in der Finanzkrise mit Milliarden Pfund vom britischen Staat gestützt wurde. Der Börsengang soll im Herbst über die Bühne gehen, doch laufen sich Bankern zufolge zugleich Finanzinvestoren warm, um die auf einen Wert von drei bis vier Milliarden Pfund taxierte Sparte zu übernehmen. Im Zuge der Abspaltung von der RBS hat die Bank aus der deutschen Direct Line im Frühjahr 20 Millionen Euro Kapital abgezogen.

Preiskampf beendet

Bis 2009 hatte Direct Line unter dem Preiskampf im Markt für Kfz-Versicherungen gelitten, den sich die Branchenführer HUK und Allianz geliefert hatten. Doch dann gab die Allianz den Wettlauf auf, und die Prämien stiegen. "Selbst das wird nicht dazu führen, dass der Markt im Ganzen schwarze Zahlen schreiben wird", sagte Schumacher. 2011 wuchsen die Beitragseinnahmen von Direct Line um 7,6 Prozent, Preiserhöhungen um durchschnittlich rund 3,5 Prozent zum Jahreswechsel 2012 seien der Grundstock für ein ähnliches Wachstum im laufenden Jahr.

Rund die Hälfte des Neugeschäfts generiert Direct Line über Vergleichsportale im Internet, im Jahresschlussgeschäft, wenn viele Kunden ihren Auto-Versicherer wechseln, sogar bis zu zwei Drittel. Richten sich bei vielen Versicherern die Tarife nur nach der Stadt oder dem Landkreis, unterscheidet Direct Line das Schadenrisiko sogar nach der Postleitzahl. "Für einige Gruppen sind wir sicher nicht die billigsten", sagte Schumacher. Für 18-jährige männliche Fahranfänger müssten die Tarife fünfmal höher sein als für andere, um die Kosten zu decken. "Wir konzentrieren wir uns auf die Autofahrer zwischen 24 und 65."