Marktbericht

Nicht mehr einzigartig

Holger Zschäpitz über die Flucht aus Bundesanleihen

Deutschland fällt in Ungnade bei den Investoren. Insbesondere große Adressen aus Übersee verlieren das Vertrauen in die Einzigartigkeit der größten und derzeit stabilsten Volkswirtschaft der Euro-Zone. Fondsmanager von Zinsanlagen flüchten aus Bundesanleihen und suchen für ihre Gelder nach Alternativen. Für die Anlageprofis steckt Deutschland als größter Euro-Retter in einem Dilemma, das hohe Risiken für hiesige Staatsschuldtitel birgt. "Deutschland befindet sich in einer Situation, in der es nur verlieren kann", sagt Brett Wander, Leiter Anlagestrategie Festverzinsliche bei Charles Schwab Investment Management. "Entweder verstärken sie ihre Bemühungen, übernehmen einen Großteil der Arbeit und zahlen den Löwenanteil, um das Euro-System am Leben zu erhalten oder, sollten sich die Deutschen dagegen entscheiden, werden langfristig darunter leiden. Das ist nicht fair, aber eine andere Wahl haben sie nicht. Entweder gehen sie alle unter oder sie schwimmen gemeinsam."

Bundesanleihen verlieren damit ihren Glanz als Hort der Sicherheit. Ablesen lässt sich das am kräftigen Zinsanstieg, den die Bunds, wie die Titel im Jargon heißen, zuletzt verzeichnet haben. Erstmals seit sechs Wochen liegt die Rendite der zehnjährigen Titel wieder über 1,5 Prozent. Seit Anfang August sind die Renditen um 0,3 Prozentpunkte geklettert. Das mag wenig klingen, entspricht aber angesichts des niedrigen Zinsniveaus einem Anstieg um ein Viertel. Und ein Ende des Anstiegs ist nicht in Sicht.