Facebook

Ein Verlierer namens Zuckerberg

Die Facebook-Aktie fällt. Das Vermögen des Firmengründers und vieler Anleger schrumpft drastisch

- Der größte Verlierer unter den Facebook-Anteilseignern der vergangenen Wochen heißt Mark Zuckerberg. Das Aktienpaket des 28-Jährigen ist noch elf Milliarden Dollar wert. Als sein Unternehmen am 18. Mai erstmals an den Technologiebörse Nasdaq gelistet wurde, waren kurz mehr als 22 Milliarden Dollar. Und es gibt nicht wenige, die Zuckerberg prophezeien, dass er am Ende dieser Woche nicht einmal mehr ein zehnfacher Dollar-Milliardär ist. Denn am Donnerstag endet die erste von fünf Haltefristen, mit der Altaktionäre, darunter viele Mitarbeiter, zunächst am raschen Verkauf ihrer Stücke gehindert wurden. 91 Tage nach dem Börsengang wird sich nun die Zahl der zum Handel zugelassenen Facebook-Aktien mit einem Schlag von 421 Millionen auf knapp 700 Millionen Stück erhöhen. Das zusätzliche Angebot könnte den Kurs weiter unter Druck setzen. Gegenüber dem Ausgabepreis von 38 Dollar verlor das soziale Netzwerk bereits mehr als 40 Prozent an Wert.

Gründe für das Debakel wurden neben der Gier der Altaktionäre viele ausgemacht: Die kurz vor der Emission noch hastig zurückgenommenen Gewinnprognosen der Analysten kosteten genauso Vertrauen wie die technischen Probleme der Nasdaq in den ersten Handelsstunden und die enttäuschende Geschäftszahlen für das zweite Quartal. Über allem schwebt aber die schon vor dem größten Internetbörsengang der Geschichte aufgeworfene Frage, wie Facebook in den nächsten Jahren seinen Gewinn steigern und die hohe Börsenbewertung rechtfertigen will - in der Spitze waren es mehr als 100 Milliarden Dollar. In dieser Phase, da sich der Aktienkurs des sozialen Netzwerks ohnehin nur mit Mühe über der 20-Dollar-Marke hält, droht an der Börse die nächste Verkaufslawine.

Zwei Milliarden zusätzliche Aktien

In den kommenden Monaten werden mehr als zwei Milliarden zusätzliche Aktien und Aktienoptionen für den Handel freigeschaltet, womit sich die Zahl der Wertpapiere, die zu Geld gemacht werden können, versechsfacht. Vor allem der 14. November wird zum großen Zittertag für alle Anteilseigner. Allein an diesem Tag kommen 1,2 Milliarden Papiere hinzu.

Bei den ebenfalls von viel Tamtam begleiteten Börsengängen des Internet-Spiele-Anbieters Zynga und des Rabattportals Groupon beschleunigte das Ende wichtiger Haltefristen den Kursverfall. Als viele Zynga-Mitarbeiter Ende Mai erstmals an ihre Aktien kamen, sank der Kurs innerhalb weniger Stunden um acht Prozent. Bei Groupon musste Anfang Juni sogar kurzzeitig der Handel ausgesetzt werden, weil der Kurs um mehr als zehn Prozent einbrach.

Facebook-Aktionäre sind in einer vertrackten Situation. Sie kennen diese Beispiele und wissen, dass zu den bereits erlittenen Kursverlusten der vergangenen drei Monate ganz schnell weitere hinzukommen können. Mit jeder Verkaufsorder wird dies wahrscheinlicher. Doch sollen deshalb gerade sie jetzt nicht verkaufen und darauf hoffen, dass es ihnen andere gleichtun?

Allerdings ist ein weiterer Kursverfall nicht zwingend. Google machte es vor: Als im Februar 2005 die wichtigste Haltefrist endete, stieg die Aktie um drei Prozent. Facebook könnte neben guten Nachrichten zur aktuellen Geschäftsentwicklung helfen, dass einige Investoren genau auf das Ende der Haltefrist und den erwarteten nächsten Kurseinbruch lauern, um einzusteigen. Denn an einem hat sich nichts geändert: Facebook ist mit mehr als 900 Millionen Nutzern nach wie vor eine der spannendsten Internetgeschichten.