Aktionäre

Artnet-Gründer wehrt feindliche Übernahme ab

Nach der tumultartigen Hauptversammlung des Berliner Online-Auktionshauses artnet AG haben die Anteilseigner Redline Capital und Weng Fine Art ein Übernahmeangebot noch für diesen Monat angekündigt.

- Zugleich drohten sie mit juristischen Schritten gegen die Beschlüsse der Hauptversammlung von Mittwoch nacht. "Wir sind leider in unserer Befürchtung bestätigt worden, dass sich das artnet-Management allen Angeboten zur Zusammenarbeit mit anderen Aktionären verweigert hat", sagte Robert Kenedi, Bevollmächtigter der Redline.

Um artnet tobt seit Juni eine Übernahmeschlacht. Hinter Redline, das zusammen mit Weng Fine Art rund zehn Prozent der Stimmrechte an artnet kontrolliert, steht der russische Milliardär Wladimir Jewtuschenko. Er gilt als einer der reichsten Russen, seine Sistema-Holding ist unter anderem Hauptaktionär des größten russischen Mobilfunkanbieters MTS.

Jewtuschenkow will Artnets Schatz heben: Als einziges Unternehmen weltweit verfügt artnet über einen Preisdatenspeicher, in dem alle internationalen Auktionsergebnisse der zurückliegenden 20 Jahre erfasst sind. Per Tastenklick lassen sich Umsätze und Auktionsergebnisse tausender Künstler abrufen. Mit der darauf aufbauenden Online-Handelsplattform konkurriert Artnet mit dem klassischen Auktionsgeschäft solcher Häuser wie Christie's und Sothebys. Dem Kunsthandel im Netz wird eine große Zukunft vorhergesagt, zumal er den Markt für nichtprofessionelle Händler öffnet.

Artnet-Gründer Hans Neuendorf, dem mindestens 26 Prozent der Anteile an dem Unternehmen zugerechnet werden, ist es auf der Hauptversammlung gelungen, sich eine Sperrminorität zu sichern und damit Redline auszubremsen. "Wir brauchen keine Investoren, denen es nur um Profilierung und Profit statt um Kunst geht. artnet wird aus eigener Kraft weltweit erfolgreich sein", sagte er. Durch die Übernahmeschlacht ist der Wert des Unternehmens auf mittlerweile 50 Millionen Euro gestiegen.