Statistikbuch

Google entdeckt die analoge Welt

Der Internetkonzern stellt einen neuen Service für Firmen vor: ein Statistikbuch

- Der Internetkonzern Google ist dafür bekannt, immer neue Dienste anzubieten: Am Anfang, 1998, stand die Suche nach Inhalten im Netz. Bald gesellte sich die Bildersuche dazu, es folgten der E-Mail-Service, ein eigner Internetbrowser ("Chrome"), Streetview für virtuelle Stadtspaziergänge, Kartendienste, der Facebook-Konkurrenten Google+ und vieles mehr. Mittlerweile sind es weit mehr als 100 Dienste. Sie haben eines gemein: Sie sind permanent online verfügbar, weltweit anzusteuern, ständig aktualisiert, eben durch und durch digital. Nutzer und Google-Dienste stehen immer in interaktiver Verbindung. Das galt bist jetzt. Am Mittwoch hat Google in Berlin, im frisch eingeweihten Hauptstadtbüro Unter den Linden seinen ersten rein analogen Dienst vorgestellt.

Die "Global Business Map" wird im Hauptstadtbüro Unter den Linden als gedrucktes Werk gereicht. Dort werden für 48 Länder Daten aufgelistet, die vor allem für Unternehmen interessant sind. Man erfährt darin beispielsweise, dass Smartphones in Deutschland weniger verbreitet sind als auf den Philippinen - hier haben 29 Prozent ein internetfähiges Handy, auf der südostasiatischen Insel 40 Prozent. Google listet auf, wie viele Leute in den Ländern wohnen, wie alt sie im Durchschnitt sind und was die Menschen gern im Internet suchen. Vor allem kleinere Unternehmen sollen so einen Fingerzeig bekommen, wo sich ein Geschäft jenseits des Heimatmarktes lohnen kann - etwa in Argentinien, Indien, Saudi-Arabien oder Vietnam.

Geradezu altertümlich

Doch alle Daten sind rein statisch, unverrückbar wie die Tabellen eines Jahrbuchs. Aufbereitet und verfügbar sind sie für Google-Verhältnisse auf geradezu altertümliche Art und Weise: als gedruckte Broschüre oder als PDF-Dokument, das man im Internet anschauen und herunterladen kann. Die Daten werden nicht aktualisiert, wie es im Internet möglich (und immer häufiger üblich) ist. Keine interaktiven Elemente, nur klassischer Text, Zahlen auf klassischen Seiten.

Insgesamt 20 Datensätze hat Google für die "Global Business Map" durchforstet, unternehmenseigene Statistiken und auch fremde Quellen. In mühsamer Arbeit wurden Excel-Tabellen erstellt. "Das alles ist noch zu komplex für eine interaktive Version", entschuldigt Google-Manager Lars Lehne. Es ist ihm ein wenig unangenehm. Grundsätzlich aber solle der Dienst in Zukunft "digital dynamisch" angeboten werden.

Vielleicht ist die analoge Verabreichung der Daten aber auch nur konsequent. Denn die Zielgruppe des neuen Dienstes sind vor allem Firmen, die das Internetgeschäft bisher nur zögerlich betreiben. Das weltweite Netz bietet kleinen Unternehmen nämlich mit vergleichsweise geringem Aufwand die Möglichkeit, internationale Kunden zu gewinnen. Dazu will Google Inhaber und Manager animieren. Wenn eine Firma über die Grenzen des Heimatmarktes hinaus expandiert, ist das schließlich auch für Google gut. Dann wächst die Nachfrage nach Online-Werbung, beispielsweise nach gezielter Platzierung des Firmen-Internetlinks neben den Google-Suchergebnissen. Denn mit Onlinewerbung verdient der kalifornische Internetkonzern immer noch das meiste Geld.

Wie Unternehmen von Google profitieren können, weiß Kathrin Weiß, Gründerin von Tausendkind. Der Berliner Online-Händler ist auf Kinderbekleidung und Spielzeug spezialisiert. Aus den Daten zu einzelnen Ländern sieht sie, ob sich eine Expansion lohnen kann. "Ich weiß zum Beispiel, ob Online-Einkauf schon eine gewisse Verbreitung hat oder nicht", sagt Weiß.

Allerdings bekommen Unternehmer mit der "Google Business Map" nicht mit, wenn sich das Internetverhalten in einem Land ändert. Da müssen sie dann warten, bis die nächste Ausgabe gedruckt wird oder als PDF vorliegt.

Das Jahrbuch per Link: www.thinkwithgoogle.com/insights/emea/library/studies/global-business-map/