Lufthansa

Weiche Landung auf dem BER

Die Lufthansa will im August über den Standort der geplanten Billiglinie entscheiden. Berlin gilt als Favorit

- Die Lufthansa will noch im August über den Standort ihrer geplanten Billigfluglinie entscheiden. Zu den möglichen Standorten gehöre auch der neue Berliner Großflughafen BER, sagte Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne am Mittwoch. Einen Bericht der "Financial Times Deutschland", wonach der Konzern aufgrund staatlicher Hilfen den BER favorisiere, wollte sie nicht bestätigen. "Alle Standorte werden untersucht", sagte Menne. Im Rennen seien auch die Flughäfen Köln und Düsseldorf. Im Zuge ihres Sparprogramms will Lufthansa ihre Billigtochter Germanwings und Direktverbindungen zwischen Zielen außerhalb der großen Drehkreuze zusammenführen. Offen ist, ob dabei der Markenname Germanwings erhalten bleibt.

Nach der Pannenserie am BER wäre die Ansiedlung der neuen Lufthansa-Tochter ein großer Erfolg für die Region. Möglich, dass die Länder Berlin und Brandenburg deswegen bereit sind, der Lufthansa die Entscheidung zu erleichtern, die neue Direktfluglinie mit mehreren Hundert Mitarbeitern und einem Milliardenumsatz in Schönefeld anzusiedeln. Am Hauptstadtflughafen würde die Lufthansa-Linie auf den größten innerdeutschen Rivalen Air Berlin treffen, der derzeit mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat.

Die Lufthansa verdient ihr Geld vor allem mit Langstreckenfliegern, die von den Großflughäfen Frankfurt und München starten. Mit vielen anderen Verbindungen in Europa werden Verluste eingeflogen. Im innereuropäischen Verkehr muss sie sich gegen die billigere Konkurrenz wie Ryanair, Easyjet oder Air Berlin behaupten, auf den Langstrecken etablieren sich mit Etihad und Emirates ernst zu nehmende Wettbewerber aus den Golfstaaten. Hinzu kommen hohe Treibstoffkosten aufgrund eines anhaltend hohen Rohölpreises. Deswegen hat die Konzernspitze dem Unternehmen zu Jahresbeginn einen harten Sparkurs verordnet, der sich langsam auszahlt. Insgesamt sollen 1,5 Milliarden Euro eingespart werden.

Im zweiten Quartal legte der operative Gewinn überraschend deutlich zu, zugleich bekräftigte Deutschlands größte Fluggesellschaft am Donnerstag ihre Jahresziele. "Wir alle wissen, dass Airlines durch Turbulenzen fliegen, Lufthansa ist da keine Ausnahme", sagte Menne. Die Entwicklungen blieben unter anderem in Europa unsicher. Im Passagiergeschäft soll das Sitzplatzangebot im Gesamtjahr jetzt nur noch um 0,5 Prozent wachsen. Zuletzt wurde ein Prozent in Aussicht gestellt. "Im Winterflugplan 2012/13 werden wir das Angebot sogar um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr reduzieren", kündigte die Finanzchefin an.

Im zweiten Jahresviertel erwirtschaftete die Lufthansa einen operativen Gewinn von 361 Millionen Euro - das sind 27,6 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Analysten hatten deutlich weniger erwartet. Den operativen Verlust aus dem ersten Quartal, als hohe Treibstoffkosten die Airline ausbremsten, konnte der Konzern damit fast wettmachen. Der Lufthansa-Konzern setzte von April bis Juni insgesamt 7,89 Milliarden Euro um - das sind 6,4 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Der Konzern beförderte im zweiten Quartal 27,5 Millionen Passagiere - ein Anstieg um 3,1 Prozent. Das Cargo-Geschäft entwickelte sich aber angesichts der Konjunktureintrübung schwach, und der Konzerngewinn schrumpfte im Quartal um 23,9 Prozent auf 229 Millionen Euro. An ihrem Geschäftsausblick hielt die Lufthansa fest: Der Konzern strebt 2012 an, den Umsatz zu erhöhen und einen operativen Gewinn im mittleren dreistelligen Millionenbereich zu erzielen. Das wäre immer noch ein Rückgang verglichen mit den 820 Millionen Euro im Jahr 2011.