Gründer-Wettbewerb

Berlin sucht den Geist in der Garage

Der Internetkonzern Google ruft einen Gründer-Wettbewerb aus. Für die besten Geschäftsideen sollen weltweit Geldgeber gesucht werden

- Ein freundliches Unternehmen wolle man sein. Darin sind sich die beiden Internetfirmen Indiegogo und Google einig. Google-Mitarbeiter hatten schon vor Jahren das informelle Motto "Don't be evil" für ihre Firma ausgerufen, und Danae Ringelmann sagt am Donnerstag in Berlin, dass ihre Firma Indiegogo ebenfalls ein grundgutes Ziel habe: nämlich Geld für eine gute Idee zu sammeln. Jetzt haben die beiden Internetriesen in Berlin zusammen mit der Berliner Stiftung Entrepreneurship ein Projekt gestartet, das alle drei als "freundlich" in die Köpfe der weiter wachsenden Start-up-Gemeinde bringen soll.

Die Gründer-Garage ist ein Wettbewerb zur Förderung von Geschäftsideen, die am Donnerstag ihre virtuellen "Tore geöffnet hat", wie Google-Deutschland-Entwicklungschef Wieland Holfelder sagt. Auf dieser Plattform (www.gruender-garage.de) können interessierte Jungunternehmer sich nicht nur über Details einer Gründung informieren, sondern auch gleich ganz praktisch sich um Startkapital bewerben. Das wiederum funktioniert über Indiegogo, eine US-Firma, die für ein bestimmtes Projekt - ob Kunst, Wohltätigkeit oder Firmengründung - von mehreren Geldgebern weltweit Kapital einsammelt. Wenn über dieses sogenannte Crowdfunding eine bestimmte Summe erreicht ist, legt Google noch zusätzlich Preisgelder im Wert von insgesamt 150.000 Euro dazu.

Günter Faltin von der Stiftung Entrepreneurship geht es vor allem darum, die Begeisterung für ein Projekt bei anderen anzustacheln. "Begeisterung verändert die Struktur im Gehirn", sagt er. Deshalb gehe es den meisten Gründern auch nicht primär um das große Geld, sondern darum, ihre Idee verwirklicht zu sehen. Dabei wolle man mit der Gründer-Garage helfen. Zudem könne man eine viel größere Zielgruppe ansprechen im Vergleich zu anderen Gründerwettbewerben.

Von der Idee zur Firma

Dabei ist Google nicht das einzige große Unternehmen, das von den innovativen Ideen in der Berliner Start-up-Szene profitieren will. Die Telekom hat kürzlich das Gründerzentrum namens Hub:raum eröffnet, wo junge Firmen Unterstützung finden, wenn sie noch nicht wissen, wie sie ihre Idee zu einem Geschäftsmodell umwandeln können. Ähnliches hat Immobilienscout24 mit dem Projekt "You is Now" in Berlin gestartet. Zudem gibt es in Berlin das Founders Institute, den Founders Link, die Startup Factory und die Berliner Startup Academy, Projekte, die sich zwar nur schwer in einer Gruppe zusammenfassen lassen, aber meist mit Mentoren arbeiten, die junge Gründer unterstützen.

Das Besondere: Die neu eröffnete Gründer-Garage hat das Crowdfunding als Finanzierungsgrundlage gewählt. Weltweit ist die Plattform Indiegogo schon Marktführer in diesem Bereich, in Deutschland wenden sich Start-ups bisher eher an die Dresdner Firma Seedmatch, sechs Berliner Start-ups konnten schon so ein Beteiligungskapital aufbauen. Bei Indiegogo geht es aber nicht um Beteiligung am Projekt, sondern zunächst nur um Unterstützung. Jetzt ist die deutschsprachige Version der Website online.

In der ersten Phase des Wettbewerbs, die jetzt beginnt, können die Teilnehmer ein Online-Training absolvieren. In dem kostenlosen Kurs lernen sie Methoden und Techniken, wie sie ein tragfähiges Geschäftskonzept aus ihrer Idee entwickeln können. Als Basis dient dafür das Konzept "Kopf schlägt Kapital" von Günter Faltin, der sich seit Jahren mit Entrepreneurship auseinandersetzt. In einer zweiten Phase, die am 7. September dieses Jahres beginnt, soll das Geld für die Projekte durch Indiegogo gesammelt werden. Dafür drehen die Gründer Videos, in denen sie ihre Idee erklären - und so die Geldgeber animieren, sie zu unterstützen. Sollten sie eine Summe von 10.000 Euro erreichen, legt Google noch einmal die gleiche Summe obendrauf. Am 7. Oktober endet der Wettbewerb. Ob er im kommenden Jahr noch einmal durchgeführt wird, ließen die Veranstalter offen.

Vorsorge für die Start-up-Zukunft

Google-Chefentwickler Holfelder ist es zunächst wichtig, dass es bei diesem Projekt nicht um Profitmaximierung geht. "Uns geht es um den Geist der Garage", sagt er und verweist darauf, dass auch das Unternehmen Google im Jahr 1998 in einer Garage gegründet wurde, die für 1700 Dollar angemietet wurde. Dieses Berliner Projekt solle zudem zeigen, dass Innovation durch das Internet nicht nur gefördert, sondern auch finanziert werden kann.

Für Nicolas Zimmer, Staatssekretär im Berliner Senat für Wirtschaft und Forschung, kommt das Engagement des Internetriesen in Berlin zur rechten Zeit. "Derzeit gilt die Stadt als wichtigster Standort für Start-up-Unternehmen", sagt er. Rund 49.000 Unternehmen wurden allein im Jahr 2011 in der Stadt gegründet. "Aber wir müssen dafür sorgen, dass es auch in fünf bis zehn Jahren noch so aussieht." Daher finde er es den richtigen Ansatz der Gründer-Garage, in neue Geschäftsideen in ihrer Frühphase zu investieren. Auch wenn statistisch rund 80 Prozent der Start-up-Unternehmen sich letztlich in kein tragfähiges Geschäftsmodell umsetzen lassen - der Wettbewerb soll ein freundlicher Anfang sein.