Quartalsverlust

GM verliert die Geduld mit Opel

361 Millionen Dollar Quartalsverlust. Verhandlungen über Schließungen

- Für den Automobilhersteller Opel geht es weiter abwärts. Während sich unverkaufte Autos auf den Höfen der Händler ansammeln, türmen sich die Verluste bei dem Autobauer auf. Die Schuldenkrise hält die Kunden vom Kauf ab. Zuletzt hat sich die Lage für die General-Motors-Tochter noch einmal verschlechtert. Die Rezession verfestige sich, erklärte der GM-Manager und Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Stephen Girsky am Donnerstag.

Der US-Mutterkonzern General Motors schrieb im zweiten Quartal in seinem Europageschäft - das im Wesentlichen aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall besteht - einen operativen Verlust von 361 Millionen Dollar (294 Millionen Euro). Im ersten Quartal hatte der Verlust noch bei 256 Millionen Dollar gelegen. Im Vorjahreszeitraum hatte GM Europe sogar Gewinn gemacht.

"Wir sind nicht schnell genug gewesen, um jene Faktoren anzugehen, die wir beeinflussen können", sagte Girsky. "Wir haben einen klaren Plan, um dies zu ändern. Insbesondere wenn wir uns vor Augen führen, wie deutlich der europäische Markt zurückgeht und wie sich das auf die Automobilindustrie auswirkt."

Die Opel-Werke, darunter auch Eisenach mit der Corsa-Produktion, sind bei Weitem nicht ausgelastet; immer wieder wird über die Schließung des Standorts Bochum spekuliert. Am Abend wurde dann bekannt, dass GM über Werkschließungen in Europa verhandelt. Beim Opel und Vauxhall sollten "dauerhaft" Produktionskapazitäten abgebaut werden, sagte GM-Sprecher James Cain. Auf die Frage, ob dies die Schließung einer oder mehrerer Werke in Europa bedeute, antwortete er: "Ja, darüber wird derzeit verhandelt." Als möglicher Kandidat für eine Werksschließung gilt der Opel-Standort Bochum. Dort soll im Jahr 2016 die Produktion der bisherigen Generation des Familienwagens Zafira auslaufen.

Um die Probleme anzugehen, hatte die Konzernführung aus Detroit große Teile des Opel-Managements ausgetauscht. Auch Firmenchef Karl-Friedrich Stracke musste Mitte Juli gehen. Das Unternehmen wird nun bis auf Weiteres von Strategievorstand Thomas Sedran geleitet.

Im zweiten Quartal gingen die Verkäufe von Opel und Vauxhall im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 298.000 zurück. Opel hofft, mit neuen Modellen wie dem kleinen SUV Mokka die Kunden zurückzugewinnen. Das Auto erscheint im dritten Quartal. Anfang 2013 folgt der Kleinwagen Adam aus Eisenach.

Die Probleme in Europa belasten den gesamten GM-Konzern. Hinzu kommt, dass auch das Geschäft auf dem Heimatmarkt Nordamerika zuletzt weniger Geld abgeworfen hat. Unterm Strich verdiente GM noch 1,5 Milliarden Dollar - was ein Rückgang von 41 Prozent.