Shades of Grey

Heißer Stoff für elektronische Bücher

Der Erfolg von "Shades of Grey" bringt nicht nur den Buchhändler zusätzlichen Umsatz - auch das E-Book bekommt einen kräftigen Schub

- Platz eins der Bestsellerliste: "Shades of Grey" der schottischen Autorin E.L. James markiert die Spitze in Großbritannien, den USA und Deutschland - schon seit Wochen, die Liebesgeschichte mit viel Sadomaso- und Fesselspielchen hat nicht nur dem klassischen Buchhandel satte Umsatzzuwächse gebracht, sie treibt auch das Geschäft mit E-Books voran. Denn solche Bücher lassen sich ohne viele Fragen und anonym über das Internet kaufen - und vor allem auch einfach im Café oder in der U-Bahn auf einem E-Book-Lesegerät lesen -, dann liegt ein modernes Elektronikgerät auf dem Tisch, kein dicker Band mit Handschellen auf dem zweideutigen Cover.

Der Bestseller kommt zu einer Zeit, da die elektronische Buchvariante zur großen Zukunftshoffnung der Branche geworden ist. Der Marktanteil von E-Books lag im vergangenen Jahr bei gerade einem Prozent, wie die Marktforscher der GfK melden. Ohne Schul- und Fachbücher sind das Umsätze von gut 38 Millionen Euro - allerdings 77 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der verkauften E-Books schnellte dabei von zwei auf 4,7 Millionen Stück nach oben. Michael Busch, der Chef der Handelskette Thalia, prognostiziert den E-Books nun schon bis 2014 einen Marktanteil von zehn Prozent an den Bucherlösen in Deutschland. Und dieses Geschäft wollen sich die Buchhändler sichern und nicht an Konkurrenten wie Apple und Amazon verlieren.

Welche Entwicklung möglich ist, zeigt der Blick nach Amerika, dem Heimatmarkt der beiden Technikkonzerne. Dort hat der Umsatz mit E-Books für Erwachsene in diesem Jahr erstmals die Erlöse mit gebundenen Büchern überholt, meldet die Association of American Publishers. Bis Mitte Juni weist die Statistik Einnahmen von 282 Millionen Dollar für die 1100 Mitgliedsunternehmen des Branchenverbands aus. Das sind stattliche 27 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres - auch getrieben von "Shades of Grey".

Platzprobleme im Regal

Für gebundene Bücher gaben die Amerikaner dagegen nur noch 230 Millionen Dollar aus. Taschenbücher kamen zwar noch auf 400 Millionen Dollar. Dort ist der Trend mit einem Minus von immerhin 60 Millionen Dollar allerdings stark negativ. Und so dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die E-Book-Umsätze auch die Taschenbucherlöse überholen. Zumal sich die Zahl der verkauften E-Book-Reader in den USA schon seit Jahren konsequent verdoppelt hat und Experten zufolge auch weiter rasant wachsen soll.

In Europa verläuft die Entwicklung bislang zwar weit langsamer. "Die Deutschen lieben gedruckte Bücher, aber der Trend ist mittlerweile rückläufig", heißt es in einer Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Zwar wollen der Befragung zufolge 45 Prozent der Bundesbürger auch in Zukunft ausschließlich gedruckte Bücher kaufen, ein Jahr zuvor waren es aber noch 52 Prozent.

Als Grund für den Umschwung nennen die Befragten zum Beispiel Platzprobleme im eigenen Bücherregal oder den günstigeren Preis. 2011 kostete ein E-Book in Deutschland durchschnittlich 8,07 Euro, meldet die GfK. Bei der gedruckten Variante sind es allein schon beim Taschenbuch 20 Prozent mehr. Und so wandeln sich die elektronischen Lesegeräte für E-Books, Kaufpreis zwischen 80 und 120 Euro, derzeit vom modischen Accessoire zur Zukunft der Buchbranche.

Viele Autoren sehen dank des E-Book überhaupt eine Chance, ihre Bücher zu verkaufen. So gibt es zum Beispiel beim Marktführer in Deutschland, dem Onlinehändler Amazon, zahlreiche Bücher, die ausschließlich in elektronischer Form vorliegen, etwa die "Berlin Gothic"-Serie von Jonas Winner. Auch der Megaseller "Shades of Grey" erschien zuerst als reines E-Book eines Kleinanbieters in Großbritannien, bevor ein großer Verlag zugriff und das Buch gedruckt herausbrachte.

Inzwischen bewegen sich auch die deutschen Verlage. Der Börsenvereinstudie zufolge wollen fast 90 Prozent E-Books in ihr Programm aufnehmen wollen. Bereits aktiv in diesem Segment ist nahezu jedes zweite Verlagshaus. Auch zwei Drittel der Buchhändler bieten der Studie zufolge im Rahmen ihres Internetangebots E-Books und E-Reader an. 2011 war diese Zahl gerade halb so hoch. Selbst die klassischen Stadtbibliotheken sind mittlerweile in die digitale Ausleihe von Büchern, Hörbuchern und Zeitschriften eingestiegen.

Teil zwei und Teil drei von "Shades of Grey" erscheinen im September und im November - das wird den E-Books einen weiteren Schub geben.