Übernahme

Helios lässt nicht locker

Der Berliner Krankenhausbetreiber erzielt Rekordergebnis. Noch im August soll die Entscheidung zur Übernahme der Rhön-Kliniken fallen

- Der Berliner Klinikkonzern Helios zeigt im Übernahmepoker um Rhön-Klinikum Stärke. Das Unternehmen konnte im ersten Halbjahr einen Gewinnsprung um mehr als ein Viertel erzielen. Zugleich kündigte die Helios-Mutter Fresenius an, noch im August darüber zu entscheiden, ob sie einen zweiten Anlauf zum Kauf der fränkischen Rhön-Kliniken nimmt. Fresenius plant, die Rhön-Kliniken mit Helios zu verschmelzen. "Ich kann bestätigen, dass wir weiter Interesse an einer Kombination von Rhön-Klinikum und Helios haben", sagte Fresenius-Chef Ulf Schneider am Mittwoch.

Dadurch entstünde der größte private Krankenhausbetreiber in Deutschland - mit Sitz in Berlin. In der Hauptstadt selbst betreibt Helios zwei Kliniken, in Buch und in Zehlendorf, zudem ein Akutkrankenhaus im brandenburgischen Bad Saarow. Der erste Versuch, Rhön zu übernehmen, war im Juni gescheitert.

Die Helios-Gruppe ist hochprofitabel. Im ersten Halbjahr stieg der Gewinn auf rund 92 Millionen Euro. Das sind 28 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Der Umsatz wuchs um 19 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der größte Berliner Konkurrent, die landeseigene Charité, hat im vergangenen Jahr nach harter Sanierung bei einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro knapp acht Millionen Euro verdient. Es war der erste Gewinn überhaupt. Die Nummer zwei in der Stadt, die ebenfalls kommunale Vivantes, schrieb fünf Millionen Euro Gewinn bei einem Umsatz von 865 Millionen Euro.

Kauf nicht um jeden Preis

Die Helios-Zahlen zeigen, dass der Konzern auch ohne die Rhön-Übernahme wachsen kann. "Die starken Zahlen zeigen, dass Fresenius nicht auf einen Kauf von Rhön-Klinikum angewiesen ist", sagte DZ-Bank-Analystin Christa Bähr. "Wenn die Übernahme nicht zustande kommt, wäre das schlecht für das Image, aber wirtschaftlich verkraftbar."

Fresenius-Chef Schneider sagte dann auch, dass er Rhön-Klinikum nicht um jeden Preis schlucken will. Fresenius werde ein zweites Angebot nur vorlegen, wenn dies aus kaufmännischer Sicht Sinn ergebe und die Chancen auf ein Gelingen der Übernahme hoch seien. Helios müsse Rhön nicht übernehmen, sagte Schneider, die Klinikkette könne auch aus eigener Kraft sowie durch die Privatisierung einzelner Kliniken wachsen. Für die Einnahmen aus der Kapitalerhöhung, mit der Fresenius gut eine Milliarde Euro für den Rhön-Kauf eingesammelt hatte, werde der Konzern notfalls auch anderweitig Verwendung finden, sagte Finanzchef Stephan Sturm.

Helios hatte zuletzt Kliniken in Duisburg und Damp gekauft, die im ersten Halbjahr rund 181 Millionen Euro zum Umsatzwachstum beitrugen. Aus eigener Kraft hatte die Gruppe den Umsatz um über fünf Prozent steigern können.

Neue Gespräche

Der erste Versuch, Rhön zu übernehmen, war Ende Juni gescheitert, weil Fresenius nicht die angestrebten gut 90 Prozent der Aktien einsammelte. Diese Hürde hatte Schneider selbst gesetzt, weil diese Zustimmungsquote in der Rhön-Satzung für viele wichtige Entscheidungen vorgesehen ist. Zuletzt hat Fresenius angeblich neue Wege für eine Übernahme von Rhön sondiert - und könnte sich dabei mit einer Mehrheit von 50 Prozent plus einer Aktie zufriedengeben.

Außerdem soll es Gespräche mit dem Konkurrenten Asklepios geben, der Ende Juni bei Rhön eingestiegen war und den 3,1 Milliarden Euro schweren Kauf damit torpediert hatte. Auch andere Helios-Konkurrenten wie Sana und der Medizintechnikkonzern B. Braun sollen Aktien gekauft haben. Weder Fresenius noch Rhön wollten sich dazu äußern.

Die gescheiterte Übernahme hat Fresenius rund 26 Millionen Euro gekostet. Angesichts eines Konzerngewinns im ersten Halbjahr von 434 Millionen Euro erscheint das verkraftbar. Dem Übernahmeziel Rhön hat die Hängepartie dagegen zugesetzt. Der Gewinn der Klinikkette brach im ersten Halbjahr ein.

Helios ist bereits heute einer der größten Klinikbetreiber in Deutschland. Zur Gruppe gehören 72 Krankenhäuser, 32 Medizinische Versorgungszentren und 13 Pflegeeinrichtungen. Beschäftigt sind rund 43.000 Menschen.

Durch den Zusammenschluss mit Rhön würde der unangefochtene Marktführer unter den privaten Klinikbetreibern in Deutschland entstehen. Es wäre ein Konzern mit einem Umsatz von rund sechs Milliarden Euro und etwa 80.000 Beschäftigten. Das entspricht einem Anteil von acht Prozent am Gesamtmarkt. Die meisten der rund 2000 Kliniken in Deutschland sind in kommunaler oder kirchlicher Hand.