Finanzierung

Schmerz lass nach

Die Kosten einer Zahnbehandlung sind gestiegen. Richtige Wahl des Labors senkt die Kosten

- Wer in diesem Jahr schon eine größere Zahnbehandlung hatte, dürfte gemerkt haben: Zahnersatz ist teurer geworden. Seit Jahresbeginn dürfen Zahnärzte mehr Honorar verlangen - nicht nur von Privatpatienten, sondern auch von den gut 70 Millionen gesetzlich Versicherten. Die Bundesregierung geht davon aus, dass Zahnärzte bis Jahresende rund 345 Millionen Euro mehr einnehmen. Davon zahlen die Patienten direkt rund 164 Mio. Euro. Dass die Hanseatische Krankenkasse als erste gesetzliche Kasse jetzt die Praxisgebühr beim Zahnarzt erlässt, mag so manchem Kassenpatienten als Tropfen auf den heißen Stein vorkommen. Hier einige Wege, wie sich sparen lässt.

Was leistet eine Zahnzusatzversicherung?

Damit können höhere Kosten meist abgefedert werden. Für solche Policen müssen männliche Neukunden zwischen 18 und 41 Euro im Monat zahlen, gleich alte Frauen zwischen 19 und 49 Euro, wie die neueste Studie von Stiftung Warentest ergab. Bestenfalls trägt die Police 80 bis 90 Prozent des Eigenanteils. Aber Vorsicht: Viele Verträge schließen die besonders teuren Versorgungen wie Implantate, Inlays oder Keramikverblendungen an hinteren Zähnen von vornherein aus. Versicherte übersehen den Fallstrick gern. Garantiert nichts bringt die Police, wenn der Zahnarzt schon einmal zur Behandlung geraten hat. "Selbst wenn der Arzt nur nebenbei sagte, da müssten wir demnächst mal was machen, gilt die Behandlung als begonnen und die Versicherung muss keinen Cent zahlen", mahnt Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zur Vorsicht.

Nutzt es, eine Zweitmeinung bei einem anderen Arzt einzuholen?

Ja, vor allem vor größeren Reparaturen. Die Preisunterschiede sind von Praxis zu Praxis enorm. Oft empfiehlt ein Arzt eine teurere Behandlung als die Regelversorgung, auch wenn es gar nicht notwendig ist. Wer sich noch bei einem anderen Zahnarzt umhört, kann womöglich kräftig sparen. Rat suchende Patienten können zu jedem Zahnarzt ihrer Wahl gehen. Untersuchung und Kostenvoranschlag sind für Kassenpatienten in der Regel kostenlos. Möglich ist auch, sich bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung eine kostenfreie Zweitmeinung zur geplanten Behandlung einzuholen.

Was ist mit Laborarbeiten - kann man hier sparen?

Sparmöglichkeiten gibt es auch, wenn der Zahnarzt selbst ein Labor hat oder mit einem preisgünstigen zusammenarbeitet. Einige Ärzte sind bereit, nach deutschem Standard gefertigten Import-Zahnersatz aus Asien einzusetzen. Patienten können aber auch selbst Billigangebote via Internet einholen - beispielsweise über www.zahnersatz-zuzahlungsfrei.de, sich ihr Einsparpotenzial online errechnen und dem Doktor ein fernöstliches Labor vorschlagen. Aber: Längst nicht jeder Arzt ist dafür offen, denn letztlich muss er für die ausländischen Produkte haften.

Wie steht es um Zahnarztportale?

Auf Internetseiten wie www.2te-zahnarztmeinung.de oder www.arzt-preisvergleich.de stellen sich Zahnärzte dem Preiswettbewerb. Patienten können sich dort günstigere Angebote für ihre Heil- und Kostenpläne einholen. Ihr Eigenanteil für die Versorgung mit Kronen, Brücken, Implantaten kann etwa um die Hälfte billiger ausfallen. Einige Kassen unterstützen die Auktionsportale. Für ihre Versicherten ist der Service kostenlos.

Lohnt sich "Zahntourismus"?

"Das muss jeder selbst entscheiden", sagt Wortberg. Seit 2004 übernehmen die Kassen ambulante Behandlungen in allen EU-Ländern. Grundsätzlich gibt es in Ungarn oder Polen Sparmöglichkeiten. Dazu ist aber ein Heil- und Kostenplan nach deutschem Muster notwendig, erstellt vom ausländischen Zahnarzt. Dieser muss von der Kasse genehmigt werden, sonst gibt es keinen Festzuschuss. Wer vorher noch die Kosten bei einem deutschen Zahnarzt erfragt hat, weiß erst wirklich, ob sich die Fahrt über die Grenze tatsächlich lohnt. Die Kosten für Arbeitsausfall, Reise und Aufenthalt müssen immer zu den Behandlungskosten dazugerechnet werden. Läuft es nicht glatt, muss der Patient mehrfach anreisen. Und: Es kann schwierig werden, Patientenrechte zu beanspruchen. Eine Nachbehandlung in Deutschland muss selbst bezahlt werden.