Kriminalität

Zinsskandal: Auch Landesbank Berlin droht Sonderprüfung

Im Skandal um Manipulationen wichtiger Marktzinsen nimmt die Finanzaufsicht BaFin offenbar die deutschen Kreditinstitute stärker unter die Lupe.

- Acht Banken, die an der Festlegung des europäischen Referenzzinses Euribor beteiligt sind oder waren, mussten nach Angaben aus Aufsichtskreisen bis zum vergangenen Donnerstag schriftlich ihre internen Prozesse offenlegen, wie sie den Zins berechnen und ihre Mechanismen überwachen. Noch lägen aber keine Ergebnisse vor, hieß es am Sonntag. Die BaFin wollte sich dazu nicht äußern. An der Festlegung des Euribor beteiligt sind unter anderen die Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, LBBW, BayernLB, Helaba, NordLB und die Landesbank Berlin.

Wenn sich Verdachtsmomente ergeben sollten, droht den Banken laut den Kreisen eine Sonderprüfung. Die führt die BaFin bereits bei der Deutschen Bank durch. Hintergrund ist der Skandal um die Manipulation des wichtigen Londoner Referenzzinssatzes Libor. Eine Sonderprüfung gilt als das schärfste Schwert der deutschen Finanzaufseher. Über den Libor-Fall war die gesamte Führungsspitze der britischen Bank Barclays gestürzt.

Die juristische Aufarbeitung des Skandals um die Schlüsselzinssätze Libor und Euribor könnte für die Banken richtig teuer werden. "Es könnte neue Rekorde bei den Strafen geben", zitiert das Magazin "Der Spiegel" einen Mitarbeiter der EU-Wettbewerbskommission. So könnte es sein, dass einzelne Institute allein bei der EU über eine Milliarde Euro Strafe zahlen müssten. Gemäß den Brüsseler Regularien sind Strafen von bis zu zehn Prozent der Erträge eines Jahres möglich.

Die BaFin hat laut Kreisen zudem ein Papier ausgearbeitet, wie das riskante Investment-Banking stärker vom Restgeschäft getrennt werden könnte. Dahinter steht die Idee, dass Steuerzahler nicht mehr einspringen müssen, um die Einlagen der Privat- und Firmenkunden zu retten, wenn sich Investmentbanken verzocken. Diese Pläne für ein sogenanntes Trennbankensystem würden vor allem die Deutsche Bank mit ihrer starken Investment-Banking-Sparte betreffen.

Unterdessen kamen in dem Libor-Skandal immer mehr Details ans Licht. Im Kern der Ermittlungen stehen dabei offenbar Händler von drei europäischen Großbanken. Es kristallisierte sich demnach heraus, dass neben Barclays auch die britische Royal Bank of Scotland sowie die Schweizer UBS eine zentrale Rolle in dem Skandal spielten. Bislang konzentrierte sich die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die britische Barclays, die als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einräumte.