Marktbericht

Dickes Polster

Jens Hartmann über die angespannte Lage bei Siemens

Es ist keine zwei Jahre her, da erklärte Siemens-Chef Peter Löscher die Zeit der Transformationsprogramme für beendet. Die hatten noch Namen wie Fit4More oder Fit42010, wirbelten über Jahre in den Werkshallen und Büros der Siemensianer viel Staub auf, der Weltkonzern sollte effizienter werden. Die Lage muss schon ernst sein, wenn Löscher jetzt ein neues Programm auflegt, um die Kosten zu senken und Siemens "schlank, schnell und agil" zu machen.

Der Österreicher, der Siemens als "ganz normales Unternehmen der Spitzenklasse" führen wollte, wird in den nächsten Quartalen den Krisenmanager geben müssen. Siemens macht zwar Fortschritte beim Umsatz, ist aber nicht profitabel genug - und hat es nicht verstanden, sich in den vergangenen Jahren durch große Zukäufe zu verstärken.

Die Probleme werden aus den Quartalszahlen deutlich. Besonders der Einbruch im Auftragseingang trifft das Unternehmen - hier geht es um die Umsätze der Zukunft. Der Konzern bekommt die konjunkturelle Abkühlung zu spüren - weltweit. Für Märkte wie China, Brasilien und Indien, solche, auf die die Wachstumsstrategie des Konzerns maßgeblich setzt, ist Löscher skeptisch.

Siemens hat immerhin den Vorteil, über ein dickes Auftragspolster zu verfügen und über einen hohen Bestand an Bargeld. Viel entscheidender als ein neues Sparprogramm dürfte aber sein, ob Märkte wie China in Zukunft genügend Geschäft für Siemens versprechen.