Fernverkehr

Bahn überrascht mit Rekordfahrgastzahlen

Nach den Pannen der Vorjahre läuft es im Fernverkehr rund. Die Konkurrenz schwächelt

- In den kommenden Wochen will Ulrich Homburg, Personenverkehrsvorstand der Deutschen Bahn, ausnahmsweise auf das Angebot aus dem eigenen Unternehmen verzichten und in einen der Züge des neuen Hamburg-Köln-Express (HKX) steigen. "Nachschauen, wie die Konkurrenz so arbeitet", möchte Homburg, aber er hat es damit nicht sonderlich eilig. Dass die Deutsche Bahn seit Montag, von den Connex-Zügen abgesehen, erstmals Konkurrenz im Fernverkehr hat, nimmt er gelassen. "Endlich haben wir richtig Wettbewerb auf den Fernstrecken", sagt er.

Homburg weiß, dass der HKX kein ernst zu nehmender Herausforderer ist und auch kein Vorbote zahlreicher anderer Anbieter auf Langstrecken. Und er weiß, dass es kleinere Bahnen insgesamt immer schwerer haben, gegen die Deutsche Bahn zu bestehen. "Wir befinden uns in einer absoluten Schwächephase", beschreibt der Chef eines privaten Bahnunternehmens die Lage. Die Deutsche Bahn ist dagegen im Personenverkehr stark wie nie: Anders als in den Vorjahren hat der Konzern vor allem wegen kräftiger Zuwächse bei den Passagierzahlen Umsatz und Ergebnis deutlich steigern können.

Mehr als eine Milliarde Menschen hat die Bahn im ersten Halbjahr in ihren Zügen befördert, das sind 40 Millionen mehr als in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres - ein Rekord. Dass der Personenverkehr samt Fernzügen entscheidender Umsatz- und Ergebnistreiber des Konzerns ist, ist an sich schon ungewöhnlich, aber dass die über Jahre schwächelnde ICE- und IC-Flotte besonders stark zulegt, ist ein echtes Novum.

Bei einem Umsatz von 19,5 Milliarden Euro im ersten Halbjahr (plus 616 Millionen Euro) erzielte die Bahn ein Vorsteuerergebnis von 1,3 Milliarden Euro, 188 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum. Und nirgendwo war die Steigerung so groß wie im Fernverkehr mit einem Plus von 146 Millionen Euro. "Damit haben wir der Konjunktur im ersten Halbjahr die Zunge rausgestreckt", sagte Finanzvorstand Richard Lutz. Denn das Logistikgeschäft, sonst die Stütze des Konzerns, weist wegen des weltweiten Konjunkturabschwungs längst nicht mehr die Steigerungsraten der vergangenen Jahre auf.

Personenverkehrsvorstand Homburg begründet das gute Abschneiden wenig überraschend mit den Anstrengungen im Konzern nach den zahlreichen Pannen in den vergangenen Wintern und Sommer. "Wir laufen stabiler, die Kunden erleben nicht mehr, dass es elf Monate gut funktioniert und dann wieder Einbrüche gibt", sagt er. Zudem würden die Kunden den Service durch das Bahn-Personal positiver bewerten. Wahrscheinlich profitiert die Bahn auch davon, dass die Spritpreise steigen und mancher vom Auto in den Zug umsteigt.