Marktführer

Volkswagen fährt der europäischen Konkurrenz davon

Fiat wirft den Wolfsburgern einen Preiskrieg vor

- Die Stärke des europäischen Auto-Marktführers VW wird manchem Manager in der krisengeschüttelten Branche offenbar unheimlich. Fiat-Chef Sergio Marchionne etwa, der Volkswagen eine brutale Preispolitik vorwirft. "Das ist ein Blutbad bei den Margen", zitiert die "New York Times" den Automanager. VW-Vertriebsvorstand Christian Klingler sagt: "Wir sind bei der Preisgestaltung nicht besonders aggressiv. Wir sind nicht die Preisaggressivsten im Markt." Er gehe aber davon aus, dass das Thema Rabatte an Bedeutung zunehmen werde, weil in Europa erst einmal keine Markterholung zu erwarten sei. Auch VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch widerspricht Marchionne: Sein Konzern sei auch im Heimatmarkt Europa "solide profitabel".

Ob mit übermäßigen Rabatten oder nicht: VW enteilt derzeit seinen Konkurrenten. Der Konzernumsatz stieg im ersten Halbjahr um 22,6 Prozent auf 95,4 Milliarden Euro. VW lieferte 4,6 Millionen Fahrzeuge aus, ein Plus von gut einem Zehntel. Der Wolfsburger Autokonzern ist weiter hochprofitabel. Er konnte im ersten Halbjahr seinen Nettogewinn um 36 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro steigern. VW bleibt damit auf Kurs, bis 2018 der weltweit führende Autobauer zu werden.

Weil der Konzern in den Märkten China und USA gut aufgestellt ist, hängt er weit weniger als andere europäische Autobauer vom schwächelnden Europa-Markt ab. So setzte VW auf seinem wichtigsten Einzelmarkt China 1,3 Millionen Fahrzeuge ab, ein Plus von 17 Prozent.

Die Marke Volkswagen lieferte von Januar bis Juni 2,8 (Vorjahreszeitraum: 2,5) Millionen Fahrzeuge aus. Die Tochter Audi kam auf 733.000 Fahrzeuge, ein Plus von 12,3 Prozent. Mit einem operativen Gewinn von 2,9 Milliarden Euro leistete Audi den größten Ergebnisbeitrag im Konzern. Die Hauptmarke VW steuerte 2,2 Milliarden Euro bei.

In Europa macht die Krise auch vor VW nicht halt. So sanken die Auslieferungen an Kunden im ersten Halbjahr um 2,2 Prozent - während der europäische Gesamtmarkt um sieben Prozent schrumpfte. In Deutschland konnte VW die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge sogar steigern - um 4,4 Prozent von 581.000 auf 606.000.

Während andere Industriemanager wie Siemens-Chef Peter Löscher die konjunkturellen Aussichten in dunklen Farben malen, gibt sich VW zuversichtlich. Das Umfeld, sagt VW-Chef Martin Winterkorn, sei zwar herausfordernd, "wir gehen aber davon aus, unsere gesteckten Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen." Eines davon lautet, das Betriebsergebnis von 11,3 Milliarden Euro aus dem Vorjahr wieder zu erreichen. Im ersten Halbjahr kam VW auf 6,5 (6,1) Milliarden Euro. Umsatz und Absatz sollen steigen.