Börse

Apples Wachstum stockt

Der Konzern verkauft weniger iPhones, was Anleger verschreckt. Trotz Gewinn bricht der Aktienkurs ein

- Der Technologiekonzern Apple hat auch im zweiten Quartal 2012 kräftige Gewinne verbucht. Die Anleger sind dennoch unzufrieden, der Kurs der Aktie fiel kräftig. Der Grund: Von April bis Juni verkaufte Apple weniger seiner iPhone-Handys, als Experten erwartet hatten. Der Konzern kann sein rasantes Wachstumstempo nicht durchhalten. Zum einen hielten sich viele Europäer wegen der Schuldenkrise mit Neuanschaffungen zurück. Zum anderen warten weltweit viele Kunden auf das neue iPhone 5, das für den Spätsommer oder Herbst erwartet wird. Welchen Einfluss das Zögern auf die aktuellen Verkaufszahlen gehabt habe, lasse sich aber nur schwer beziffern, sagte Apple-Chef Tim Cook.

Fest steht aber, dass Apple in seinem dritten Geschäftsquartal nur vergleichsweise dürftige 26 Millionen iPhones verkaufen konnte. Analysten hatten mit mehr als 28 Millionen Stück gerechnet. Zu Spitzenzeiten im vergangenen Weihnachtsquartal war Apple binnen drei Monaten sogar 37 Millionen Handys losgeworden. Wegen der enttäuschten Hoffnungen fiel der Kurs kräftig. Die Apple-Investoren können dennoch zufrieden sein. Seit Jahresbeginn hatte das Papier um knapp 50 Prozent zugelegt.

Auch die Schuldenkrise in Europa setzte dem Unternehmen zu. "In Europa lief es nicht so gut", gab Cook zu. Der Umsatz auf dem Kontinent stieg um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum - für den erfolgsverwöhnten Apple-Konzern ist das wenig. Es gebe allerdings große Unterschiede bei den einzelnen Ländern, führte Cook aus: "Großbritannien hat sich gut gehalten. Frankreich, Griechenland und Italien waren schwach. Deutschland ist nur im einstelligen Prozentbereich gewachsen."

Rund lief es dagegen in China mit einem Umsatzsprung von 48 Prozent. Hier gebe es keine Anzeichen einer Abkühlung wegen wirtschaftlicher Probleme, sagte Cook. Als weitere Stütze erwies sich das iPad, dessen weltweite Verkäufe sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 17 Millionen Geräte erhöhten und damit beinahe verdoppelten. Das war neuer Rekord.

Die Verkäufe von Mac-Rechnern legten um zwei Prozent auf vier Millionen Geräte zu. Hier hatten die Kunden auf eine neue Generation der MacBooks gewartet, die das Unternehmen erst im Juni auf der Entwicklerkonferenz WWDC vorgestellt hatte. Vom iPod wurde Apple 6,8 Millionen verkauft - ein Minus von satten zehn Prozent. "Wir sind glücklich mit dem Quartal", sagte Finanzchef Peter Oppenheimer daraufhin beinahe schon trotzig.

Von den absoluten Zahlen her hat Apple auch allen Grund, zufrieden zu sein: Der Umsatz stieg um 23 Prozent auf 35 Milliarden Dollar (29 Milliarden Euro). Der Gewinn lag trotz aller Probleme bei 8,8 Milliarden Dollar und damit 21 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Aus Sicht der Börsianer war die Enttäuschung dennoch verständlich: In den vorangegangenen Quartalen hatte Apple 13,1 und 11,6 Milliarden Dollar verdient.

Für das gerade angebrochene vierte Geschäftsquartal sagte der Konzern einen Umsatz von 34 Milliarden Dollar voraus - ebenfalls weniger, als Analysten erwartet hatten. Firmenchef Cook versprach "erstaunliche neue Produkte", ohne allerdings ins Detail zu gehen. Geheimhaltung gehört bei Apple zum Geschäft - erst recht, seitdem Konkurrenten wie Samsung ebenfalls große Erfolge bei Smartphones feiern. Apple könnte aber selbst eine längere Durststrecke bis zum nächsten Verkaufsschlager gut überstehen. Denn die Kasse ist mit 117 Milliarden Dollar prall gefüllt.