E-Commerce

Wooga macht sich frei von Facebook

Mit dem sozialen Netzwerk ist der Berliner Onlinespiele-Entwickler zur Nummer drei weltweit geworden. Jetzt ändert das Unternehmen die Strategie - und setzt auf das mobile Internet

- Der Spieleentwickler Wooga ändert seine Strategie und setzt verstärkt auf Smartphones und Tabletcomputer. Das Berliner Unternehmen werde seine erfolgreichsten Titel für mobile Plattformen anpassen, kündigte Gründer Jens Begemann am Dienstag an. Zudem entwickle Wooga Spiele speziell für Smartphones. Mehr als die Hälfte der mehr als 200 Mitarbeiter ist mittlerweile mit Titeln für mobile Geräte beschäftigt.

Damit reagiert Wooga auf das veränderte Nutzungsverhalten im Web. Dank der Verbreitung von Smartphones und Table-PCs verlagert sich das Wachstum ins mobile Internet. Vor Wooga hatten auch andere Berliner Spieleentwickler die Hinwendung zum mobilen Internet angekündigt, etwa Good Beans (früher Young Internet), das sich auf mobile Spiele für Kinder und Familien konzentriert.

Zugleich befreit sich Wooga Stück für Stück aus der Abhängigkeit von Facebook als Plattform - bislang sind die Spiele der Berliner Firma fast ausschließlich über das Onlinenetzwerk erreichbar. Damit entginge Wooga dem Schicksal etwa des weltgrößten Online-Spieleentwicklers Zynga, der unter der Vertrauenskrise in Facebook in den vergangenen Monaten schwer zu leiden hatte. Auch Zynga nabelt sich derzeit vom größten sozialen Netzwerk ab, indem es ein eigenes Netz aufbaut. Facebook fehlt es bislang an einer klaren Strategie, im mobilen Internet Geld zu verdienen. Die Zweifel am Geschäftsmodell hatten zu dem rasanten Kursverfall nach dem Börsengang im Juni geführt und die Aktien von Zynga mitgerissen.

Wooga (steht für World of Gaming) ist, gemessen an den monatlichen Nutzerzahlen, der weltweit drittgrößte Anbieter von Spielen im Internet und damit der wohl erfolgreichste Entwickler aus Berlin. Täglich spielen rund zehn Millionen Menschen Spiele der Berliner. In der Hauptstadt sind geschätzte 150 Entwickler ansässig. Die Branche legte in den vergangenen Jahren in Deutschland ein außerordentliches Wachstum hin. Nach Schätzungen hat der Spielemarkt mit einem Volumen von über zwei Milliarden Euro den Film- und Musikmarkt längst überholt.

Das Wachstum in der Spielebranche trägt maßgeblich dazu bei, Berlin zum führenden Internetstandort in Deutschland zu machen. Berlin ist derzeit die Gründerhauptstadt für Webfirmen in Europa. Der Aufschwung der Internet- und Computerbranche schlägt sich auch in Zahlen nieder. Die letzte offizielle Statistik aus 2009 weist 213.000 Mitarbeiter in der Kommunikations-, Medien- und Kulturwirtschaft aus. Es dürften längst mehr sein.

Nahezu täglich werden neue Internetfirmen gegründet. Finanziert von internationalen Wagniskapitalfirmen. Zu den bekanntesten Neugründungen zählen Amen, an dem neben anderen der US-Schauspieler Ashton Kutcher Anteile hält, 6Wunderkinder, das von Skype-Gründer Niklas Zennström finanziert wird, und Soundcloud, an dem der britische Finanzinvestor Doughty Hanson beteiligt ist.

Der Spieleentwickler Wooga wurde 2009 gegründet, größter Anteilseigner von Wooga ist Gründer und Geschäftsführer Begemann. Darüber hinaus sind Wagniskapitalgesellschaften beteiligt, darunter Balderton Capital und Highland Capital Partners.

Wooga kündigte an, dass im Herbst der Titel "Diamond Dash", den auf Facebook monatlich 17,4 Millionen Nutzer spielen, für Geräte mit Android herauskommt - für Wooga die Premiere auf dem Google-System. Das Spieleangebot auf dem Google-eigenen sozialen Netzwerk Google+ hatte Wooga allerdings zu Monatsbeginn eingestellt. Zudem wird "Monster World" - das 6,8 Millionen nutzen - für iPhone und iPad mit dem Betriebssystem iOS angepasst. In den kommenden zwölf Monaten will Wooga sein Spiele-Portfolio für Facebook und mobile Geräte verdoppeln.

"Die Verbreitung von Smartphones und Tablets nimmt stark zu, unsere Zielgruppe nutzt die Geräte sehr intensiv", sagte Begemann. Eine iOS-Version von "Diamond Dash" habe die Erwartungen bei Weitem übertroffen und sei mehr als 20 Millionen Mal heruntergeladen worden. "Das hat uns darin bestätigt, dass es eine große Nachfrage nach unseren Spielen auf mobilen Geräten gibt", sagte der Gründer und Firmenchef. Facebook sei für das Unternehmen aber weiter eine wichtige Plattform, auch in dem sozialen Netzwerk stiegen die Zugriffszahlen.

Ein weiterer Grund für die Mobilstrategie: Wooga stellt bei den Titeln für iPhone und Co. eine vergleichsweise hohe Zahlbereitschaft fest. Nutzer, die sich mit Facebook anmelden und auf diesem Wege mit ihren Freunden spielen, seien deutlich aktiver und gäben mehr Geld aus, sagte Begemann. Zahlen nannte er allerdings nicht, dafür sei es zu früh. Überhaupt gibt sich das Unternehmen zu Ergebniszahlen bedeckt. Wooga vermarktet Spiele für zwischendurch, 70 Prozent der Nutzer sind Frauen. Die Titel sind grundsätzlich kostenlos nutzbar, Geld verdient der Anbieter mit dem Verkauf virtueller Güter, die etwa eine Zeitersparnis einbringen oder die Spielfigur verzieren.