Bildung

Die Suche nach dem guten Coach

Der Bedarf an Beratung wird größer. Allein in Berlin und Brandenburg gibt es nach Angaben des Deutschen Coaching Verbandes rund 300 dieser persönlichen Trainer. Vor unseriösen Kollegen wird allerdings gewarnt

Es gibt scheinbar kaum einen anderen Beruf, der in den letzten Jahren so schnell expandieren konnte: Der Coach. Immer mehr Coaching-Agenturen werden eröffnet, die inzwischen in vielen Bereichen Unterstützung für Klienten bieten. "Früher war Coaching ein Angebot für Führungskräfte in großen Konzernen. Heute kann man es für alle Lebenslagen haben", sagt Christin Colli, Berliner Regionalsprecherin des Deutschen Coaching Verbandes (DCV). Der Verband warnt allerdings auch vor unseriösen Coaches. Denn die Palette ist inzwischen sehr groß. Ob es Unterstützung im Beruf ist oder im Familienleben, überall sind Coaches gefragt. Es gibt auch exotische Bereiche wie Wein-Coaching.

Die Coaches versuchen, Klienten wichtige Tipps zu geben, damit sie ihr Leben besser genießen, gestalten und organisieren können. Wie komme ich in meinem Beruf weiter? Was muss ich bei der Erziehung meiner Kinder beachten? Wie nutze ich meine Ressourcen am besten? Wie sind meine privaten und beruflichen Beziehungen? Wie kann ich mehr Qualität in mein Leben bringen? All diese Fragen kann man mit Hilfe eines guten Coaches leichter beantworten und schneller eine Lösung für seine Probleme finden.

In mehreren Gesprächen mit dem Coach werden die Probleme analysiert und die Strategie festgelegt. Die eigentlichen Entscheidungen müssen am Ende natürlich die Klienten selber treffen. Alles hängt von ihrer Bereitschaft ab, die Dinge anders zu machen. Der Coach ist ein wichtiger Begleiter, motiviert den Klienten, zeigt ihm andere Perspektiven und unterstützt ihn bei der Lösungsfindung, ist eine Stütze im Hintergrund. "Der Coach kann die Klienten bei allen alltäglichen Herausforderungen betreuen", meint Colli.

Inzwischen haben auch viele große Konzerne einen Pool von Coaches, mit deren Hilfe sie ihre Mitarbeiter regelmäßig schulen. Eltern sein, Karriere machen und eine glückliche Beziehung führen. Wie kann man diese drei Aspekte unter einen Hut bringen? Life balance (Gleichgewicht im Leben) heißt das Stichwort. Das ist die Herausforderung unserer Zeit in diesem Teil der Welt.

Nach Angaben des Deutschen Coaching Verbandes gibt es bundesweit rund 5000 Coaches. Etwa 200 davon sind in Berlin, rund 100 in Brandenburg beschäftigt. Coaching ist kein geschützter Beruf. Jeder kann sich Coach nennen. Deshalb gibt es auch keine Tabellen, wonach sich die Honorare richten können. Im Prinzip kann jeder verlangen, was er will, aber in der Realität gibt es eine große Preisspanne von 60 bis 350 Euro pro Stunde. Bei Privatzahlern nehmen die meisten Coaches einen günstigeren Preis als bei Unternehmen.

Auch die Vorbildung ist bei den Coaches nicht klar geregelt. Der vor acht Jahren gegründete Deutsche Coaching Verband will diesbezüglich klare Bedingungen formulieren. Demnach sollte man eine umfangreiche Coachingausbildung absolviert haben, um als Coach arbeiten zu dürfen. Oder ein Studium mit anschließender mindestens fünfjähriger Berufserfahrung. Der DCV versucht, die Kollegen untereinander zu vernetzen und den Klienten zu helfen, schnell und gezielt kompetente und seriöse Coaches in ihrer Nähe zu finden. Ein weiteres Ziel des Verbandes ist, "Qualitätsstandards zu setzen".

Coaches können sich beim Deutschen Coaching Verband zertifizieren lassen und fortbilden, wenn sie Weiterbildungsmassnahmen wünschen. "Es macht mich glücklich, anderen Menschen Mut und Impulse zu geben. Man kann sein Leben immer ändern, anders gestalten und es ist oft mehr möglich als wir denken", sagt DCV-Regionalsprecherin Christin Colli. In ihrem eigenen Coachingunternehmen in Berlin, das sie mit acht anderen Kollegen teilt, berät sie viele Klienten und versucht ihnen das Gefühl zu geben, dass sie "ihrem Schicksal nicht ausgeliefert sind".

Ein guter Coach müsse ihrer Meinung nach "sehr einfühlsam sein, gut zuhören können, Lebenserfahrungen haben, sich für Menschen interessieren, psychologische Kenntnisse besitzen und sich in die Lage der Klienten versetzen können". "Das ist eine zeitgemäße Form der Bewältigung von Herausforderungen im Leben. Es ist lösungsorientiert und hilft Menschen, sich weiterzuentwickeln", unterstreicht Colli.