Personalie

Gesamtmetall-Chef Kannegiesser tritt nicht mehr an

Ende einer Ära, Vize Dulger soll Führung übernehmen

- Beim Arbeitgeberverband der deutschen Metall- und Elektroindustrie mit ihren 3,4 Millionen Beschäftigten kommt es im Herbst zu einem Führungswechsel. Nach zwölf Jahren im Amt tritt Präsident Martin Kannegiesser (70) nicht wieder an. Nachfolger soll der Vorsitzende des baden-württembergischen Verbands Südwestmetall und bisherige Gesamtmetall-Vize Rainer Dulger (48) werden. "Mit unserem bisherigen Vizepräsidenten Rainer Dulger steht ein kompetenter Nachfolger bereit, der Kontinuität und Modernität verbindet", sagte Kannegiesser. Die Wahl ist für den 14. September in Magdeburg geplant. Gesamtmetall ist der Dachverband von 21 Arbeitgeberverbänden der Branche, die 6300 Firmen direkt organisieren.

Mit dem Verzicht Kannegiessers endet eine Ära. Er ist seit September 2000 Gesamtmetall-Präsident. In die Zeit fallen zahlreiche wichtige Abschlüsse und tarifpolitische Weichenstellungen. So verhandelte er 2004 das sogenannte Pforzheimer Abkommen, mit dem der Flächentarifvertrag durch betriebliche Ergänzungstarifverträge geöffnet wurde. 2010 suchten er und IG-Metall-Chef Berthold Huber mitten in der Wirtschaftskrise schnell den Schulterschluss. Dabei einigten sie sich auf eine moderate Tariferhöhung um 2,7 Prozent und eine Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen, damit die Unternehmen auf die Krise reagieren konnten. Als Unternehmer baute Kannegiesser die gleichnamige Firma seines Vaters aus Ostwestfalen aus. Das Unternehmen mit 1300 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von zuletzt rund 260 Millionen Euro fertigt Wäschereitechnik von der Schleudermaschine bis zur Waschstraße.

Der 48-jährige Dulger ist Geschäftsführender Gesellschafter der ProMinent Dosiertechnik in Heidelberg, die mit 2300 Beschäftigten unter anderem Dosierpumpen für die Industrie und Wasseraufbereitungsanlagen herstellt. Im Frühjahr hatte er den bundesweit wichtigen Metall-Pilotabschluss in Baden-Württemberg verhandelt. "Ich freue mich nun darauf, in neuer Verantwortung daran mitarbeiten zu dürfen, die deutsche Metall- und Elektroindustrie für die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte zu rüsten", sagte er am Freitag.

Der smarte, in Heidelberg geborene Dulger kennt sich auch in der Abteilung Attacke aus. Erst vor einer Woche kritisierte er IG Metall und Politik für ihr Verhalten nach dem Tarifabschluss scharf. "Schon die in der Metall- und in der Zeitarbeitsbranche gefundenen tariflichen Regelungen werden dazu führen, Zeitarbeit in unseren Mitgliedsbetrieben zurückzudrängen", sagte er bei einer Mitgliederversammlung des Verbands. Deswegen habe er kein Verständnis dafür, dass die Bundesregierung mit einer gesetzlichen Regelung zur Zeitarbeit drohe und auch die IG Metall bei diesem Thema noch keinen Frieden wolle. "Können wir als Tarifpartei wirklich noch frei entscheiden, wenn uns die Politik wie bei der Zeitarbeit die Pistole auf die Brust setzt?"