Wandel

Nordkorea plant umfangreiche Wirtschaftsreformen

Nach der Entmachtung der Armeeführung steht das verarmte Nordkorea einem Insider zufolge vor den umfangreichsten Wirtschaftsreformen seit Jahrzehnten.

- Der junge Herrscher Kim Jong-un und sein einflussreicher Onkel Jang Song Thaek wollten der Armee das Kommando über die daniederliegenden Betriebe nehmen und diese einer zivilen Führung unterstellen, berichtete der Informant. Generalstabschef Ri Yong Ho habe gegen den Bedeutungsverlust der Armee als Folge der geplanten Reformen protestiert und sei deshalb aller Ämter enthoben worden.

"In der Vergangenheit hatte die Regierung in der Wirtschaft nichts zu sagen. Die Armee kontrollierte die Wirtschaft, aber das wird sich nun ändern", sagte der Insider mit Verbindungen nach Pjöngjang und Peking. Die Reformen orientierten sich an China, dem einzigen Verbündeten des international isolierten Landes.

Unter Kims verstorbenen Vater Kim Jong-il galt in der Politik und der Wirtschaft Nordkoreas der Grundsatz "Das Militär zuerst". Das sicherte den 1,2 Millionen Soldaten zählenden Streitkräften den Vorrang vor anderen gesellschaftlichen Gruppen.

Die Äußerungen des Insiders sind ein Hinweis auf einen Machtkampf in dem weitgehend abgeschotteten Land, dessen Bevölkerung wegen der schlechten Wirtschaftslage Hunger leidet. "Kim Jong-un und Jang Song Thaek haben das Militär unter Kontrolle", ergänzte der Informant, dessen Vorhersagen etwa über den ersten nordkoreanischen Atomtest 2006 sich als korrekt erwiesen hatten. Kim hatte die Nachfolge seines Vaters Kim Jong-il Ende Dezember 2011 übernommen. Er war diese Woche zum Marschall der Republik ernannt worden. Er ist bereits Chef der Arbeiterpartei und Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission.

Unter der Führung des jungen Kim gibt es erste Zeichen für eine Lockerung in dem kommunistisch regierten Land. So strahlte das Staatsfernsehen Bilder des Machthabers bei einer Ausstellung und einem Rockkonzert aus. Sein Onkel Jang gilt seit längerer Zeit als Befürworter von Reformen. Der Funktionär steht zudem im Ruf, der wahre Machthaber hinter dem Staatschef zu sein.