Banken

Waschmaschine für Mafia-Geld

Die britische HSBC galt als vorbildliche Bank. Jetzt steht sie im Verdacht, Terror und Drogenhandel begünstigt zu haben

- Es gab Zeiten, da verkörperte Stephen Green das gute Gesicht einer ganzen Branche. Ein Bankmanager, der sonntags als Laienprediger auf die Kanzel steigt. Ein hagerer Mann um die 60 mit hoher Stirn und einer Mission. "Wahre Werte. Über Moral, Geld und die Zukunft", nannte er sein Buch, das vor zweieinhalb Jahren auf den Markt kam, und wenn er dafür warb, war er um harsche Kritik an bonuslechzenden Kollegen nicht verlegen. "Schwarzgeld, Geldwäsche, Drogen- oder Mafiageld werden in unserer Bank wissentlich nicht toleriert", sagte er in einem Interview. Und dann folgte ein Satz, der heute wie eine düstere Vorahnung klingt: HSBC, die Hongkong & Shanghai Banking Corp., sei "weder moralischer noch besser" als andere.

Wie recht er damit hatte. Was während Greens Amtszeit als Chefaufseher der Bank vor sich ging und nun ans Tageslicht kommt, bietet genug Stoff für einen Hollywood-Thriller. 340 Seiten umfasst der Report des US-Senats, der die größte britische Bank HSBC als Schleuser für "Drogenbarone und Schurkenstaaten" anprangert. Ausgerechnet das Vorzeigeinstitut HSBC soll über Jahre Geldwäsche unterstützt haben. Kriminellen und Terroristen war es möglich, bei HSBC-Filialen in Ländern mit schwachen Geldwäsche-Gesetzen Konten zu eröffnen. Anschließend wurde das Geld ohne weitere Kontrollen zu einer HSBC-Filiale in die USA transferiert. Die Bank habe durch ihr nachlässiges Verhalten über Jahre Drogenkartelle und Terrornetzwerke mit vielen Milliarden Dollar finanziert, warf der US-Senat der Bank bei einer Anhörung am Dienstag vor. Ein Strafverfahren des US-Justizministeriums steht noch aus. Dem Institut droht eine Strafe von bis zu einer Milliarde Dollar. Gestrenge Senatoren drohen schon, HSBC könnte die Banklizenz für die Vereinigten Staaten verlieren.

Damit hat Großbritannien einen neuen Bankenskandal, der die Finanzwelt erschüttert. In der Debatte geht es nicht mehr darum, dass Banker zu unvorsichtig sind. Sondern ob sie überhaupt noch irgendeine Form von Anstand besitzen.

Nun trifft es mit HSBC auch noch ein Institut, das bislang vergleichsweise gut beleumundet war. Zwar hatten auch die Briten mit den ostasiatischen Wurzeln Milliardensummen mit amerikanischen Ramschhypotheken versenkt. Doch immerhin kamen sie im Gegensatz zu vielen Konkurrenten ohne Staatshilfe aus. Und ihr globales Geschäftsmodell mit einer besonders starken Stellung in wachstumsstarken Schwellenländern gilt als solide. Doch nun haben auch sie ihren Skandal.

In seinem Bericht beschreibt der US-Senat, wie HSBC im großen Unfang Geschäfte in Ländern gemacht hat, die für Drogenkartelle, Terrornetzwerke und Steuerhinterziehung bekannt sind. So sei etwa allein aus Mexiko in den Jahren 2007 und 2008 Drogengeld über rund sieben Milliarden Dollar in die USA geschleust worden.

Ähnlich skandalös wirkt das Verhalten der Bank in von den USA als Schurkenstaaten ausgemachten Ländern wie dem Iran, Burma und Nordkorea. Obwohl die USA Embargos gegen diese Länder verhängte, machte HSBC weiter Geschäfte vor Ort. Um Kontrollen zu umgehen, wurden Transaktionen in diese Länder falsch ausgewiesen. Laut US-Senat vollzog die US-Tochter von HSBC in den Jahren 2001 bis 2007 insgesamt 28.000 verdeckte Überweisungen im Wert von 19,7 Milliarden Dollar. Die große Mehrzahl der Kontobewegungen ging aus oder in den Iran. Zudem hat HSBC mit der saudi-arabischen Bank al-Rajhi Geschäfte gemacht, die Verbindungen zu al-Qaida hat.

HSBC bestreitet die Vorwürfe nicht. Bankchef Stuart Gulliver räumte bereits in der vergangenen Woche die Schuld des Unternehmens ein. "Ich halte es für richtig, dass wir zur Verantwortung gezogen werden und uns verpflichten, die gemachten Fehler zu korrigieren", sagte Gulliver. Die Bank zog erste Konsequenzen aus der Affäre. Der Chefaufseher über die Unternehmenskultur, David Bagley, trat zurück.

Stephen Green selbst muss sich um die Aufräumarbeiten bei HSBC nicht mehr kümmern. Er legte seinen Posten als Verwaltungsratschef Ende 2010 nieder und wechselte in die Politik. Heute dient er der Regierung von Premier David Cameron als Staatsminister für Handel und Investitionen - ehrenamtlich und unbezahlt.