Marktbericht

Sicherer Hafen

Holger Zschäpitz über Geldverdienen mit Schulden

Finanzminister Schäuble verdient beim Schuldenmachen Geld. Erstmals in der Geschichte verkaufte der Bund zweijährige Bundesanleihen mit negativer Rendite. Schäuble kassierte von den "Gläubigern" eine Prämie über fünf Millionen Euro dafür, dass sie dem sicheren Deutschland Geld leihen dürfen. Die Auktion spülte 4,173 Milliarden Euro in die Kasse des Bundes. Die Investoren nahmen dabei eine negative Rendite von durchschnittlich 0,06 Prozent in Kauf, um in den Besitz der als ausfallsicher geltenden Papiere zu kommen. Bei der vorigen Emission hatte die Verzinsung noch bei plus 0,1 Prozent gelegen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Schäuble mit Schuldenmachen Geld verdient. Zuletzt hatte der Bund bereits ein Sechsmonatspapier mit Minuszins platziert. Ein Novum in der Schuldenkrise ist es aber, dass Berlin bei der mittelfristigen Schuldenaufnahme Geld verdient. Nichts anderes bedeutet nämlich eine Negativ-Rendite bei den sogenannten Schatzanweisungen mit zwei Jahren Laufzeit. Auch dreijährige Bundesanleihen wurden am Markt mit einem Minuszins gehandelt. Grund für die völlig auf den Kopf gestellte Anlagewelt ist das große Misstrauen der Akteure. Sie wollen bei der Anlage ihrer Gelder auf Nummer sicher gehen. Ihnen geht es darum, das investierte Kapital überhaupt zurückzubekommen, der Ertrag spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Diese Flucht in die Sicherheit hat dazu geführt, dass die Zinsen ausgewählter "sicherer Häfen" negativ geworden sind.