Expansion

Schritt für Schritt zum größten Klinikkonzern

Fresenius nimmt einen neuen Anlauf zur Übernahme der Rhön-Kliniken. Fusion mit Helios geplant

- Der Gesundheitskonzern Fresenius gibt sich im Übernahmekampf um Rhön-Klinikum noch nicht geschlagen. Das Dax-Unternehmen, zu dem die in Berlin ansässige Helios-Klinikengruppe gehört, sondiere neue Wege, wie eine Übernahme der fränkischen Klinikkette im zweiten Anlauf gelingen könne, sagten vier mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. In der Konzernzentrale im hessischen Bad Homburg werde dabei auch durchgespielt, ob sich Fresenius zunächst mit einer Mehrheit von 50 Prozent plus einer Aktie bei Rhön zufriedengeben könnte.

Durch einen Zusammenschluss von Rhön und Helios würde der größte private Klinikbetreiber in Deutschland entstehen. Die Konzernzentrale sollte in Berlin sein, wo Helios zwei Kliniken betreibt, eine in Zehlendorf, die andere in Buch. Als erster Anbieter würde der Konzern über ein flächendeckendes Kliniknetz in Deutschland verfügen und könnte auch zusätzliche Dienstleistungen wie eine private Krankenzusatzversicherung anbieten. Vielen Konkurrenten und den Versicherungen ist das ein Dorn im Auge. Einen ersten Übernahmeversuch hatten Rivalen verhindert, indem sie Rhön-Aktien aufkauften.

Derzeit liefen Gespräche zwischen Fresenius und den Banken darüber, wie ein solcher Deal finanziert werden könne, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Sollte Fresenius nach der Übernahme keine volle Kontrolle über Rhön haben, wäre die Finanzierung schwieriger als bei einer Vollintegration, wie sie der Konzern im ersten Übernahmeanlauf angestrebt hatte. "Sollte Fresenius sich nun mit 50 Prozent plus einer Aktie zufriedengeben, muss mit den Banken neu verhandelt werden", betonte ein Insider.

Die Übernahme von Rhön durch Fresenius war im ersten Anlauf gescheitert, weil das hessische Unternehmen nicht wie angestrebt mehr als 90 Prozent der Rhön-Aktien einsammelte. Diese Hürde hatte sich Fresenius-Chef Ulf Schneider gesetzt, weil diese Zustimmungsquote in der Rhön-Satzung für alle wichtigen Entscheidungen vorgesehen ist. Schneider hatte nach dem Scheitern Ende Juni angekündigt, "in den kommenden Tagen Möglichkeiten auszuloten, wie die Übernahme doch noch zustande kommen könnte. Ein Fresenius-Sprecher sagte, der Konzern prüfe weiter seine Optionen bei Rhön-Klinikum und werde seine Entscheidung zu gegebener Zeit kommunizieren.

Fresenius könnte mit Zustimmung des Rhön-Vorstands eine neue Übernahmeofferte mit einer geringeren Annahmeschwelle vorlegen. Alternativ könnte das Unternehmen 30 Prozent der Rhön-Aktien am Markt aufkaufen und dann ein Pflichtübernahmeangebot vorlegen. Kommt Fresenius im Anschluss auf mehr als 50 Prozent der Stimmrechte bei Rhön, hätte der Konzern bei Abstimmungen über die Dividende oder die Besetzung des Aufsichtsrats eine Mehrheit. Für Kapitalmaßnahmen und Satzungsänderungen ist jedoch eine Mehrheit von mehr als 90 Prozent nötig.

Alle Insider betonten, es sei weiter sehr ungewiss, ob Fresenius tatsächlich einen zweiten Anlauf bei Rhön nehme. Eine Voraussetzung dafür sei, dass sich Fresenius mit dem Konkurrenten Asklepios verständige, der Ende Juni bei Rhön eingestiegen war und damit die Übernahme durch Fresenius torpediert hatte. Neben Asklepios sind Finanzkreisen zufolge zuletzt auch der Konkurrent Sana sowie der Medizintechnikkonzern B. Braun bei Rhön-Klinikum eingestiegen, was die Lage noch unübersichtlicher macht. Fresenius will bis zur Vorlage der Halbjahreszahlen am 1. August Klarheit schaffen, ob der Konzern einen zweiten Anlauf bei Rhön nimmt oder nicht, wie zwei mit der Situation vertraute Personen sagten.