Marktbericht

Nummer sicher

Holger Zschäpitz über Minusrenditen am Anleihemarkt

Da lege ich mein Geld doch lieber unter die Matratze." Mit diesem Satz sorgte Bill Gross am Freitag bei seinen insgesamt 77.851 Twitter-Anhängern für Furore. Der Chef des weltgrößten Bond-Verwalters Pimco hatte aber nicht plötzlich das Vertrauen in die eigenen Anlagefähigkeiten verloren. Vielmehr war Gross' Anlageempfehlung eine ironische Anspielung an die verrückten Anleihemärkte in Europa.

Hier stehen negative Zinsen bei Geldmarktpapieren und kurzlaufenden Staatsanleihen inzwischen auf der Tagesordnung. Sparer, die Papiere solider Staaten wie etwa der Schweiz, Dänemarks oder Deutschlands kaufen, müssen Zinsen zahlen, anstatt Erträge zu bekommen. Zu Wochenbeginn fiel auch die Rendite dreijähriger Bundesanleihen erstmals unter null. Schuldtitel mit zweijähriger Laufzeit rentierten bereits den dritten Handelstag in Folge im Minus und markierten am Montag ebenfalls einen historischen Tiefstand. Für Sparer sind negative Zinsen eine völlig verkehrte Welt. Sie sind es gewohnt, für ihr Geld, das sie auf die hohe Kante legen, einen kleinen Ertrag zu bekommen.

Doch in der Krise werden reihenweise Lehrbuchweisheiten kassiert. Der Grund ist das generelle Misstrauen der großen marktbestimmenden Akteure. Sie wollen bei der Anlage ihrer Gelder auf absolute Nummer sicher gehen. Ihnen geht es darum, das investierte Kapital überhaupt zurückzubekommen, der Ertrag spielt dabei nur noch eine untergeordnete Rolle.