Glücksspiel

Lotto-Spieler können zu Hause bleiben

Das Ankreuzen im Internet wird wieder erlaubt. Damit will das staatliche Lotto private Konkurrenz abwehren

- Lottospieler in ganz Deutschland können ihre Kreuzchen beim staatlichen Lotto bald im Internet machen. Das erlaubt der neue Glücksspielstaatsvertrag, der am 1. Juli in Kraft getreten ist. In einigen Bundesländern wie Hessen oder Bremen ist das Tippen im Netz jetzt schon möglich. Anderswo warten die Lotto-Gesellschaften noch auf die Genehmigungen der Landesregierungen.

"Wenn genügend Genehmigungen vorliegen, kann man über die zentrale Einstiegsstelle Lotto.de gehen", sagte Bayerns Lotto-Chef Erwin Horak für den Deutschen Lotto- und Totoblock und bestätigte einen Bericht des "Handelsblatts" (Montag). Von der Seite aus würden die Spieler auf die jeweiligen Landesseiten geleitet.

Auf den sogenannten Glücksspieländerungsstaatsvertrag hatten sich Ende vergangenen Jahres 15 der 16 deutschen Bundesländer geeinigt - nur Schleswig-Holstein zog nicht mit, das den Markt zuvor schon im Alleingang weitgehend liberalisiert hatte. Der neue Vertrag lässt das Lottomonopol des Staats zwar bestehen. Der Sportwettenmarkt wird aber für zwanzig private Anbieter geöffnet. Die Lizenzvergabe soll im Herbst dieses Jahres starten.

Eine weitere große Neuerung: Staatliche Lotterien dürfen ihre Spiele wie "6 aus 49" wieder im Internet anbieten. Das gilt auch für die europäische Lotterie Eurojackpot mit sieben Teilnehmer-Ländern, die im März gestartet ist. Online-Angebote privater und ausländischer Anbieter wie etwa Euromillions bleiben mit dem neuen Vertrag verboten. Die Angebote der privaten Sportwettenanbieter können dagegen demnächst auch online gespielt werden, wenn sie eine Lizenz bekommen - genau wie die staatliche Sportwette "Oddset".

Das Lottospielen im Internet war Anfang des Jahrtausends noch erlaubt gewesen - seit 2009 aber verboten. "Unser Ziel ist, die Kunden, die wir damals verloren haben, wieder zurückzugewinnen", sagte der Sprecher. Bislang mussten die staatlichen Lotteriegesellschaften privaten Anbietern im Netz das Feld überlassen. Zwar sind und bleiben private Online-Glücksspielangebote in Deutschland laut Westlotto illegal. Das Verbot umgingen Anbieter aber, indem sie aus dem Ausland operierten. Nun will Lotto der Konkurrenz im Internet die Stirn bieten - und so "die natürlichen Spielbedürfnisse der Bevölkerung in geregelte und legale Bahnen ... lenken", wie Westlotto betonte.

Annahmestellen droht das Aus

"Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass die Leute, die im Internet illegale Angebote nutzen, auf Lotto-Angebote zurückgreifen werden", erklärte dagegen die Vorsitzende des Fachverbands Glücksspielsucht, Ilona Füchtenschnieder, in Bielefeld. "Die illegalen Glücksspiele werden damit nicht verschwinden." Dagegen werde es künftig noch schwieriger zu vermitteln sein, was verboten und was erlaubt sei.

Zuletzt haben die Deutschen 6,7 Milliarden Euro für Spiele wie "6 aus 49", "Spiel 77", "Super 6" oder die Sportwette "Oddset" ausgegeben. Durchschnittlich 9,6 Millionen Spielaufträge gehen laut Westlotto bundesweit jede Woche ein. Mithilfe des Geschäfts im Internet soll der Umsatz mittelfristig auf acht Milliarden Euro anwachsen, sagte ein Sprecher von Lotto Bayern. Damit könnten die Lotteriegesellschaften auch statt wie bisher 2,5 Milliarden in Zukunft drei Milliarden Euro etwa an soziale Einrichtungen oder Sportverbände abführen. Das Aus könnte der schnelle und bequeme Tipp im Netz für viele Annahmestellen bedeuten. Derzeit gibt es rund 23.000 Annahmestellen in Deutschland.