Autokauf

Die Trickbetrüger im Netz

Wer im Internet ein Auto kauft, bekommt es nicht selten mit verführerischen, aber falschen Angeboten zu tun

- Eine BMW R 1200 GS, Baujahr 2009, mit gerade einmal 2700 Kilometern auf dem Tacho und im Bestzustand, für unglaubliche 6500 Euro? Motorradfan Johannes M. aus Oberfranken traut an einem Samstagabend Ende Mai seinen Augen nicht recht, als ihm das Inserat in der Motorradsektion der Kleinanzeigenseite Kalaydo.de ins Auge springt.

Die schwere Reise-Enduro des bayerischen Herstellers ist das beliebteste Motorrad in Deutschland und als Gebrauchte gewöhnlich sehr preisstabil. Ein drei Jahre altes Modell mit diesem niedrigen Kilometerstand wird in der Regel für etwa 12.000 Euro gehandelt, das Inserat wäre, selbst wenn die Maschine Macken haben sollte, ein echtes Schnäppchen. Laut Beschreibung ist das Motorrad "wie neu", zudem mit Vollausstattung, Navigationssystem und Kofferset versehen - allein all das würde bei BMW neu über 4000 Euro kosten.

M. schriebt eine Mail an die angegebene Adresse peter1951@arcor.de. Am nächsten Morgen ruft er unter der angegebenen Telefonnummer an: "Kein Anschluss unter dieser Nummer". Ein Tippfehler? Johannes M. wird misstrauisch und fragt im deutschen Internetforum für GS-Fahrer nach. Ihn wundert: Kalaydo.de sammelt Kleinanzeigen aus regionalen deutschen Tageszeitungen, eine Veröffentlichung dort ist nicht kostenlos - wer bezahlt eine falsche Anzeige?

Er und andere GS-Fahrer machen sich auf die Suche nach weiteren Fahrzeuganzeigen mit der Mailadresse peter1951 - prompt werden die Forumsnutzer deutschlandweit fündig: In "Stuttgarter Zeitung", "Neue Nordhäuser Zeitung", "Badische Zeitung", "Hannoversche Allgemeine", auf Kleinanzeigenportalen und Autoportalen - in insgesamt über einem Dutzend Anzeigen findet sich Peter, der sein Motorrad allzu günstig abgeben will. Jedes Mal steht eine passende lokale Nummer dabei - wer die anruft, bekommt entweder verdutzte Anschlussbesitzer ohne jede Kenntnis von Peter, oder aber das lapidare "Kein Anschluss unter dieser ..."

Johannes M. jedoch bekommt nun eine enthusiastische Antwortmail in holprigem Deutsch: "Das Moto ist immer noch zum Verkauf. Es ist in TOP-Zustand und ist unfallfrei; die Karosserie ist perfekt, der Innenraum ist in ausgezeichnetem Zustand", schreibt Peter, und erklärt weiter: "Ich bin als Architekt tätig in Deutschland für ein Jahr und dann habe ich das Moto gekauft. Letztes Jahr habe ich meinen Vertrag fertig und ich musste nach Griechenland, wo ich mit meiner Familie lebe, zurückzukehren. ... Ich frage nach einem günstigen Preis, dass es momentan in der Zeit der Finanzkrise sehr schwer ist, etwas für den gewünschten Preis zu verkaufen." Die Forumsnutzer freuen sich über den "ausgezeichneten Zustand des Innenraums" des Motorrads - hier wurde offensichtlich eine Standardmail verwendet, mit denen die Betrüger sonst auch Autos anpreisen.

Peter möchte nun, dass man die Hälfte des Kaufpreises per Western Union einer angeblichen Maklerfirma namens Herakles überweist, die dann - natürlich auf seine Kosten - das Motorrad von Griechenland nach Deutschland transportiert.

So viel sei vorneweg verraten: Wer den Fehler macht, Peter vorab die über 3000 Euro zu senden, wird weder von Peter noch von seinem Motorrad je wieder etwas sehen. Selbst die Fotos der Maschine sind geklaut: Die Meta-Informationen aus Peters Online-Fotoalbum verraten, dass die Bilder ursprünglich aus einer fremden Ebay-Auktion stammen.

Peters Masche - die rührende Story vom Notverkauf zum Ramschpreis, das Fahrzeug steht allerdings nicht in Reichweite, deswegen will der Verkäufer eine nur ihm bekannte Treuhandfirma hinzuziehen - ist die wohl beliebteste Betrugsmethode beim Online-Autoverkauf. Forumsnutzer Rolf warnt zu Recht: "Gier frisst Hirn ..." - wer einen solchen Preis in den Anzeigen entdeckt, sollte die Finger davon lassen.

Ob Dacia Logans aus Irland oder Mercedes-Transporter aus Spanien: Nur die Außengrenzen der europäischen Union scheinen die Fantasie der Betrüger zu stoppen. Verzweifelte Kommentare zeigen: Gerade bei Summen um 3000 Euro scheinen viele Nutzer bereit zu sein, Geld einfach vorab zu überweisen, immer wieder fallen Käufer darauf herein und zahlen. Peter aus Griechenland bewies besondere kriminelle Energie, indem er die GS in einem Dutzend Lokalzeitungen gleichzeitig inserierte. Die Facto24-Sammlung zeigt: Meist beschränken sich die Betrüger auf Autoportalen wie Autoscout24.de oder Mobile.de. Wer dort selbst ein Fahrzeug verkaufen will, sollte ebenfalls misstrauisch sein: Des Öfteren bieten Käufer aus dem Ausland an, sie würden per Scheck zahlen, man solle vorab schon einmal die Spedition entlöhnen.

Wer darauf eingeht, verliert mindestens die angeblichen Speditionskosten, vielleicht sogar sein Fahrzeug, wenn der Scheck kurz nach Einlösung platzt. Die Autoportal-Betreiber warnen: Niemals ein Geschäft tätigen, ohne das Fahrzeug Probe zu fahren. Die Fahrzeugübergabe vor Zeugen und in bar abwickeln. Auch wer verkauft, sollte misstrauisch bleiben, sich keineswegs unter Druck setzen lassen und eine Probefahrt nicht allein, nicht mit den kompletten Fahrzeugpapieren, und vor allem nicht vor der eigenen Haustür starten: Zu leicht lässt sich ein Fahrzeug auf einen Transporter laden.