Leserfrage

Arbeitslosengeld trotz Kündigung?

Ich möchte meinen Job kündigen. Jetzt habe ich jedoch gehört, dass ich dann kein Arbeitslosengeld erhalte. Ist das denn immer so?

Das Arbeitslosengeld soll in erster Linie denen helfen, die unverschuldet ihren Arbeitsplatz verlieren. Wer dagegen ohne dringenden Grund selbst kündigt, einen Aufhebungsvertrag unterschreibt oder durch schuldhaftes Fehlverhalten dem Arbeitgeber Veranlassung zu einer verhaltensbedingten (fristlosen oder fristgemäßen) Kündigung gibt, erhält in der Regel eine Sperrfrist von drei Monaten.

Die Gesamtbezugsdauer des Arbeitslosengeldes reduziert sich um 25 Prozent, wenn es Verstöße gegen gesetzliche Auflagen im Zusammenhang mit dem Arbeitslosengeld gibt, kann der Anspruch auf Arbeitslosengeld vollständig gestrichen werden.

Ausnahmen gelten aber dann, wenn Sie einen triftigen Grund für die Eigenkündigung haben und Ihnen eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht zugemutet werden kann. Dies kann beispielsweise der Fall sein bei einer vom (Amts-)Arzt bestätigten Gesundheitsgefährdung bei Fortführung der Tätigkeit, einem Umzug zur Familienzusammenführung, sexueller Belästigung am Arbeitsplatz oder ähnlichem. Dann gibt es keine Sperrfrist. Dies sollte vor Ausspruch der Kündigung mit der Arbeitsagentur geklärt werden.

Eine Sperrfrist kann auch verhängt werden wenn der Arbeitgeber kündigt und der Arbeitnehmer außergerichtlich in einen Abwicklungsvertrag gegen Zahlung einer Abfindung einwilligt. Da es auf die Situation im Einzelfall ankommt, lassen Sie sich anwaltlich beraten (www.anwaltsauskunft.de).

Michael Eckert, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Sozietät EDK Eckert Klette & Kollegen, Heidelberg

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