Handel

Schlechtes Wetter, schlechte Geschäfte

Penny und Real bieten Marken-Textilien zu Preisen, die deutlich unter denen der Outlet-Stores der Hersteller liegen

- Siegfried Jacobs hat sich in den Urlaub verabschiedet. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) ist in den Süden gefahren, dorthin wo es warm ist. Tagsüber stehen nicht selten 40 Grad auf dem Thermometer. Im verregneten Deutschland sind die Temperaturen vielerorts nicht mal halb so hoch. Und das ist ein Problem für Jacobs' Branche. Denn durch das schlechte Wetter werden die deutschen Modehändler ihre Sommerware nicht los. "Die Geschäfte laufen schlecht", sagt Jacobs der Berliner Morgenpost.

Kleider, Shorts und T-Shirts liegen wie Blei in den Regalen. Die Folge ist eine verschärfte Rabattschlacht. "Mode ist derzeit extrem günstig. Die Nachlässe sind schon deutlich höher als zum gleichen Zeitraum des Vorjahres", berichtet Jacobs, der von teuer erkauftem Umsatz spricht. Tatsächlich stehen neben den Prozentzeichen in den Schaufenstern der großen Einkaufstraßen nicht selten hohe zweistellige Rabattzahlen wie 50, 70 oder gar 80. Und das noch vor Beginn des Sommerschlussverkaufs am kommenden Montag.

Die Läger der Handelshäuser sind zu voll für Mitte Juli. Die Ware muss aber weg, denn bei den meisten treffen die Herbst- und Winterkollektionen bereits ein. "Der Lagerdruck ist sehr hoch", berichtet Jacobs. Zumal die Händler mit guten Geschäften gerechnet und entsprechend viel eingekauft haben.

Die schwache Sommersaison kommt zur Unzeit für den Mode- und Textilhandel. Schon das zweite Halbjahr 2011 ist witterungsbedingt schlecht gelaufen. Denn Herbst und Winter waren deutlich zu warm. Zwar gab es für das Gesamtjahr noch ein Plus von zwei Prozent auf 57,7 Mrd. Euro, meldet der BTE. Zum Halbjahr hatte der Zuwachs aber noch bei über fünf Prozent gelegen. 2012 geht es bislang weiter abwärts. Von Januar bis Juni ist laut den Verbandsexperten ein Minus von zwei Prozent aufgelaufen. Bei der aktuellen Orderrunde für Frühjahr/Sommer 2013 gibt sich der Handel daher entsprechend vorsichtig. Statt sich schon jetzt festzulegen, wollen sie erst in ein paar Monaten die endgültigen Bestellmengen definieren.

Was von den aktuellen Sortimenten bis Mitte August nicht verkauft wird, lagern die Händler bei Logistikanbietern zwischen - zumindest wenn sie glauben, dass Farbe und Schnitt auch im kommenden Frühjahr noch gefragt sein werden. Andernfalls geht die Ware an klassische Restpostenvermarkter.

Bei Massenanbietern wie Esprit und H&M oder Zara und S.Oliver sorgen die Aufkäufer von Restanten derzeit allerdings für großen Ärger. Denn neuerdings tauchen zunehmend bei Textildiscountern schrille Angebote namhafter Markenhersteller auf. Vor wenigen Tagen etwa bot das Billig-Kaufhaus Woolworth Teile von S.Oliver an: Damen-T-Shirts und Accessoires für fünf Euro, Taschen für neun Euro, Hosen für 19 Euro. Darüber hinaus werben nun auch Lebensmittelhändler wie Penny oder Real mit Sonderposten von Marken-Textilien zu Preisen, die noch deutlich unter denen der Outlet-Stores der Hersteller liegen.