Kriminalität

Schlechte Noten für Banken und Versicherungen

Korruptionsexperten fordern vor allem im Finanzsektor mehr Transparenz

- Konzerne haben weiterhin beträchtlichen Nachholbedarf bei der Bekämpfung der Wurzeln von Korruption und Steuerhinterziehung. Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation Transparency International (TI) in einer am Dienstag vorgestellten Studie über Anti-Korruptions-Programme der 105 größten multinationalen Aktiengesellschaften.

Am besten von allen untersuchten Firmen schnitt der norwegische Öl- und Gaskonzern Statoil ab. Er kam in der Wertung auf 8,3 von zehn möglichen Punkten. Der Energiekonzern mache Informationen über Anti-Korruptions-Programme, über Tochtergesellschaften, Steuerzahlungen und Gewinne in 37 Ländern öffentlich und habe daher das Zeug zum weltweiten Vorbild, lobte die Organisation. Aus deutscher Sicht positiv sei, dass alle sieben untersuchten Unternehmen aus der Bundesrepublik - darunter Siemens (17. Platz), Bayer (24.), Telekom (29.) und E.on (30.) - im oberen Drittel des Rankings rangierten. Zudem habe die Untersuchung gezeigt, dass sie anders als manche ausländische Konkurrenten "alle vollständig über ihre Tochterunternehmen berichteten", sagte die Deutschland-Vorsitzende von Transparency International, Edda Müller, bei der Präsentation der Ergebnisse in Berlin. Auf den letzten beiden Plätzen der 105 Konzerne landeten mit der Bank of China und der Bank of Communications zwei international agierende chinesische Banken. Auf Platz 98 kam der russische Energiekonzern Gazprom, auf Platz 95 der Internet-Gigant Google.

Großer Nachholbedarf

In anderen Bereichen wie der Offenlegung von Unternehmenszahlen von im Ausland operierenden Tochterunternehmen gebe es jedoch auch hierzulande noch großen Nachholbedarf, betonte Müller. Besonders "unbefriedigend" sei, dass keines der sieben deutschen Unternehmen bekannt gebe, wie viel Steuern seine Töchter in den Ländern zahlten, in denen sie tätig seien, sagte die Politikwissenschaftlerin und Professorin für Verwaltungswissenschaft. "Wir brauchen hier klare Steuertransparenz", forderte Müller.

Dabei sei gerade die Offenlegung von Geschäftsvorgängen und Steuerzahlungen "ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung der Korruption", sagte Robin Hodess, Abteilungsleiterin Wissen und Forschung bei Transparency International. Wenn Unternehmen ihre Auslandszahlen nicht offenlegten, sei es für eine Regierung und die Öffentlichkeit unmöglich nachzuvollziehen, "wo Gelder geblieben sind" und ob sie nicht an Regierungskreise geflossen oder über halb- oder illegale "Steuersparmodelle" abgeführt worden seien. Zudem mache beispielsweise rund die Hälfte der Unternehmen keinerlei Angaben zu bestehenden Verflechtungen mit der Politik.

Als besonders undurchsichtig habe sich der internationale Finanzsektor erwiesen, sagte Müller. Das spiegelt sich auch in der Statistik: Die untersuchten 24 Banken und Versicherungen erhielten von den TI-Experten fast durchweg schlechte Noten. Im Schnitt erreichten sie von zehn möglichen Transparenzpunkten nur 4,2 Zähler. "Man kann nicht Steuergelder zur Rettung in Anspruch nehmen und sich gleichzeitig weigern offenzulegen, in welchen Ländern man wie viel Steuern zahlt", monierte Müller. Dies laufe nicht legitimen Geschäftsinteressen der Wirtschaft zuwider. Im Gegenteil: Ihre Organisation sei "der festen Überzeugung", dass "Transparenz auch für die Unternehmen positive Effekte habe". Gerade an Standorten in Entwicklungsländern führe die Zahlung von Bestechungsgeldern zur Auftragsbeschaffung oft sogar zu Wettbewerbsnachteilen. Unternehmen, die so agierten, wüssten nach Erfahrung von Transpareny International "oft nicht, ob ihr Produkt überhaupt noch wettbewerbsfähig auf dem Weltmarkt ist".