Fluggesellschaften

Air Berlin kappt Hamburger Flüge

Sparprogramm: Der Winterflugplan wird deutlich reduziert. Auch in Berlin wird ein Ziel gestrichen

- Sparen, dieser Verdacht drängt sich auf, ist für Hartmut Mehdorn pures Lustprinzip. Deutschlands zweitgrößte Fluglinie Air Berlin holte den ehemaligen Bahnchef zu einem Zeitpunkt, als es gar nicht lief. Düster sieht es für Air Berlin immer noch aus. Verlust von mehr als 270 Millionen Euro im Jahr 2011, dramatischer Aktienkursverfall, unkalkulierbare Einbußen durch das Chaos um den neuen Berliner Flughafen BER. Da kann Mehdorn seiner Lust frönen. Innerbetrieblich lässt er Schriftsätze nun beidseitig bedruckt aus den Druckern fahren. Unlängst amüsierte er die Öffentlichkeit, weil er dem Vorstand Dienstwagen der Marke Mini verordnete. Nun werden Verbindungen gestrichen. Das aber amüsiert vor allem den Hamburger Flughafen überhaupt nicht.

Denn dort streicht Air Berlin radikal Verbindungen zusammen. Von Oktober an sind es dann jährlich 4000 Flüge weniger aus der Hansestadt. Der Flughafen verhängte einen Einstellungsstopp und beschwert sich darüber, dass das doch recht überraschend und kurzfristig passiert sei. Eine halbe Million Passagiere weniger würden nun über Hamburg fliegen, hieß es vom Airportbetreiber. Air Berlin stellt unter anderem Verbindungen von Hamburg nach Zürich, Barcelona und Karlsruhe ein und reduziert Inlandflüge nach Nürnberg. Ferner trifft es die Verbindungen Stuttgart-Mailand, Sylt-Köln sowie Berlin-Münster.

Bei Air Berlin sprechen sie davon, dass es alles "wie geplant" verlaufen sei. Der Plan trägt den Namen "Shape & Size" und bezeichnet das Sparprogramm, mit dem Mehdorn die Airline weniger flottmachen als vor der Pleite bewahren will. Ein Sprecher von Air Berlin weist darauf hin, dass man "insgesamt nur zwei Prozent aller Verbindungen" mit Beginn des Winterflugplans im Oktober kappe. Vorstandsmitglied Paul Gregorowitsch begründet die Verbindungskürzungen auch mit der bei Airlines verhassten Luftverkehrsabgabe. "Diese außerordentliche Belastung trifft nicht mehr nur die Regionalflughäfen, sondern mittlerweile auch größere Standorte. Dies zeigt, wie schädlich und unsinnig die Luftverkehrsabgabe ist", sagte Gregorowitsch.

Tatsache ist, dass für die nach Lufthansa zweitgrößte deutsche Airline die Luft dünn ist. Seit Jahren türmen sich die Verluste, der Schuldenberg beträgt über 800 Millionen Euro. Die Euro-Krise lässt Konjunkturängste und Reisezweifel wachsen, dazu kommt die Verzögerung des neuen Berliner Hauptstadtflughafens. Der BER, dessen Inbetriebnahme vom 3. Juni 2012 auf den 17. März nächsten Jahres verschoben wurde, sollte Air Berlin in die höchste Spielklasse der Fluglinien befördern. Dorthin, wo alte Platzhirsche wie Lufthansa und British Airways spielen.

Der BER, so ist es geplant, soll das Drehkreuz für Air Berlin werden, ähnlich wichtig wie Frankfurt für die Lufthansa. Bislang erfüllen Wien und Düsseldorf in Ansätzen eine solche Funktion. Mit Partnergesellschaften könnte die Airline, die einst als Mallorca-Spezialist begann, von Berlin aus Ziele auf allen Kontinenten anbieten. Weltumspannend mit mehr Geschäftsreisenden und attraktiveren Zielen in Asien und Amerika - diese Hoffnung verbindet Air Berlin mit dem BER. Und nicht zuletzt ein Entkommen aus dem Jammertal der roten Zahlen.

Bislang will Air Berlin auf Entlassungen verzichten. Ver.di-Sprecher Christoph Schmitz sagt, dass man mit "gewisser Sorge auf die Entwicklung bei Air Berlin blickt". Unlängst sagte Mehdorn in einem Interview: "Wir arbeiten hart daran, ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen. Bis jetzt klappt's."