Marktbericht

Heimlichtuer

Sebastian Jost über Banken und intransparente Geschäfte

Der Bankenbranche bleibt nichts erspart. Da haben viele Kreditinstitute angesichts der Euro-Krise erhebliche Probleme, Finanzskandale bestimmen die Schlagzeilen - und nun schneiden die Finanzkonzerne in einer Transparenzstudie auch noch besonders schlecht ab. Auch diese Watsche ist verdient. Nun mag man darüber streiten, ob Transparency International die richtigen Kriterien gewählt hat. Das ändert jedoch nichts am richtigen Kern des Befundes: Das Bankgeschäft, gerade bei den großen internationalen Instituten, ist unverständlich geworden - und zwar nicht nur für Laien, sondern teilweise auch für die Branchenprofis selbst. Das beginnt bei einem international gebräuchlichen Referenzzins namens Libor, der eine überragende Bedeutung für die Finanzmärkte hat, dessen Wert aber gewissermaßen von einem verschworenen Kreis im Hinterzimmer ausgekungelt wurde. Das Übel setzt sich fort bei Derivatemärkten, die so unübersichtlich sind, dass niemand so genau weiß, wo die Risiken für bestimmte Kreditausfallversicherungen eigentlich liegen - was jede Bankenpleite zum unkalkulierbaren Vabanquespiel machen muss. Und es endet beim Herzstück einer jeden Bank, der eigenen Bilanz. Das eigene Zahlenwerk überblicken in so mancher Großbank nur noch eine Handvoll Leute. Die Folge: Viele Bankaktien werden mit Unsicherheitsabschlägen gehandelt. Eine alarmierende Entwicklung für eine Branche, die in den kommenden Jahren dringend frisches Kapital braucht, um strengere Vorgaben zu erfüllen.