Technik

"Welpenschutz für Elektroautos ist weg"

Topmanager reden in Berlin über das Auto der Zukunft - das wohl bald keinen Fahrer mehr braucht

- Wenn man viel erzählen will, ist dies ein guter Ort. Der ehemalige Gasometer in Schöneberg ist schließlich steter Quell eines breiten Redeflusses, der sich jeden Sonntag aus dem Fernseher ergießt. Günther Jauch verwaltet dort wöchentlich seine Themen und Gäste. An diesem Donnerstag hat der ADAC führende Automanager unter die Kuppel einbestellt. Zur "Mobilität der Zukunft" sollen sie Stellung beziehen, und das ist ein kleines Problem. Denn bislang kann zur Zukunft des Autos nicht mehr vermeldet werden, als dass sie irgendwie elektrischer und irgendwie vernetzter daherkommen soll.

Seit ungefähr fünf Jahren wird eine Revolution des ehrwürdigen Automobils beschworen. Unaufhaltsam, so lautet die Botschaft, wird der Elektroantrieb die Aggregate nach Patenten der Herren Nikolaus August Otto und Rudolf Diesel verdrängen. Die Bundesregierung hat eine Nationale Entwicklungsplattform Elektromobilität installiert und eine Milliarde Euro Förderung versprochen. Henning Kagermann, ehemals Chef des Softwarekonzerns SAP, leitet diese Plattform. Auf der Bühne, die sonst Jauch und Gästen gehört, sagt Kagermann: "Der Welpenschutz für Elektroautos ist weg."

Folgt man Kagermanns Bildsprache, dann ist es ein nahezu blinder, äußerst magerer und nahezu bewegungsloser Welpe, dem der Schutz entzogen wird. Die elektrische Autorevolution ist bislang ausgeblieben. Am 1. Januar zählten die Statistiker des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) in Flensburg knapp 43 Millionen zugelassene Autos in Deutschland. Davon waren 4541 Elektroautos. 47.600 - kaum mehr als ein Prozent - fuhren mit einem Hybridantrieb. Im ersten Halbjahr 2012 kamen weniger als 1500 Elektroautos neu hinzu. Im Strom der 1,6 Millionen neu zugelassenen Wagen insgesamt sind E-Autos hierzulande nicht wahrnehmbar.

Die Thematik neue Antriebsformen ruft erste Ermüdungserscheinungen hervor, und deswegen rückt Deutschlands größter Automobilklub einen anderen Aspekt des Zukunftsautos in den Mittelpunkt: das vernetzte Fahrzeug. Gemeint ist das Auto, das mit anderen Fahrzeugen kommuniziert, sich über Staus und Wetterunbilden austauscht, Kontakt zu Leitzentralen hält. Auch mit dem Fahrer treibt es Kommunikation. Aber der Mensch hinter dem Lenkrad, auch wenn das niemand in der Runde so sagen wird, wird weniger wichtig für die Bedienung des Autos. Elmar Degenhardt, Vorstandschef des Autozulieferers Conti, sagt: "In 15 Jahren wird das vollautomatische Fahren möglich sein." Stop and go auf der Autobahn oder im Stadtverkehr übernimmt dann die Führung des Autos, das nach Beteuerung aller Manager "smart", also schlau, wird.

Diese Revolution wird sich demnach schneller vollziehen als der Abschied von Benzin und Diesel. Das ans Internet gekoppelte Fahrzeug stellt für die ehrwürdige Industrie eine besondere Herausforderung dar. Plötzlich sind Unternehmen wie Apple oder Google Konkurrenten, die blitzschnellen und finanzstarken Internetkonzerne. Daimler-Chef Dieter Zetsche schwant: "In Unternehmen wie Daimler mit 126 Jahren Geschichte gibt es mitunter Hürden, um Sachen neu und unbefangen zu denken." Zudem seien die Internetkonzerne selbstbewusste Unternehmen. "Die haben nicht auf uns gewartet." Daimler sucht vorerst sein Heil in einer engen Kooperation mit Google.