Zinsmanipulationen

Skandal um Barclays-Bank weitet sich aus

Untersuchungen richten sich auch gegen Deutsche Bank

- Der weltweite Skandal um Zinsmanipulationen stürzt die britische Großbank Barclays in ein Führungschaos. Innerhalb von 24 Stunden nahmen drei Top-Manager des Instituts ihren Hut. Am Dienstag begründete Vorstandschef Bob Diamond seinen Entschluss mit dem massiven Druck aus der Politik, der am Ruf der Bank zu kratzen drohe. "Das kann ich nicht zulassen", sagte er nur einen Tag nach dem Rücktritt von Verwaltungsratschef Marcus Agius, der nun noch einen Nachfolger für den 60-Jährigen suchen soll. Wenig später legte auch der Leiter des operativen Geschäfts (COO), Jerry del Missier, vor dem Hintergrund der Affäre seinen Posten nieder, wie das britische Kreditinstitut in London mitteilte.

Noch am Montagmorgen hatte sich Diamond in einem Brief an die Mitarbeiter kämpferisch gegeben und Agius die volle Verantwortung für den Skandal übernommen. Doch kurze Zeit später kündigten Premierminister David Cameron und Finanzminister George Osborne eine parlamentarische Untersuchung des Skandals an. Das habe Diamonds Haltung verändert, sagt eine Person mit Kenntnissen von der Lage. "Ich glaube, Herr Diamond hat die richtige Entscheidung getroffen", kommentierte Osborne den Rücktritt, der mit sofortiger Wirkung gilt. Das sei ein erster Schritt in Richtung einer neuer Verantwortungskultur, betonte er. Diamond steht erst 2011 an der Spitze der Bank.

Barclays war vergangene Woche zu einer Strafe von fast einer halben Milliarde Dollar verdonnert worden, weil es die ermittelnden Behörden in Großbritannien und den USA als erwiesen ansahen, dass das Institut Marktzinsen manipuliert hat. Die mehr als 300 Jahre alte Traditionsbank hat als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einiger Händler eingeräumt. Die seit Monaten laufenden Untersuchungen unter anderem in der Europäischen Union, der Schweiz und den USA richten sich gegen mehr als ein Dutzend Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank und die Schweizer UBS. Ihnen wird vorgeworfen, den weltweit gültigen Interbanken-Zinssatz Libor und andere Zinsen verzerrt zu haben. Der täglich in London fixierte Liborsatz dient als Referenz für Kredite von Privatleuten und Unternehmen, Derivate sowie Finanzprodukte im Volumen von 360 Billionen Dollar. Er basiert auf Daten mehrerer Großbanken.