Konjunktur

IWF warnt Deutschland vor "massivem Einbruch"

Währungsfonds nennt die wirtschaftliche Stärke bemerkenswert, sieht aber auch gewaltige Risiken

- Eine Verschärfung der Euro-Schuldenkrise könnte Deutschlands Aussichten auf anhaltendes Wachstum nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) jäh zunichtemachen. "Deutschland ist eine der offensten großen Volkswirtschaften weltweit", schrieben die Fonds-Experten in einem am Dienstag veröffentlichten Länder-Bericht. Das mache Deutschland aber extrem anfällig für negative Entwicklungen von außen, sowohl in der Euro-Zone als auch in der Weltwirtschaft.

Der Fonds, der seit einem Jahr von der Französin Christine Lagarde geführt wird, nannte es "bemerkenswert", wie Deutschland bislang durch alle Widrigkeiten gesteuert sei. Er erhöhte denn auch seine Prognose für das deutsche Wachstum im laufenden Jahr um 0,4 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent. Die Schätzung für das kommende Jahr nahm der Fonds aber um 0,1 Prozentpunkte auf 1,4 Prozent zurück.

"Deutschland kann eine Schlüsselrolle spielen ... um die Stabilität der Euro-Zone zu sichern und das Wachstumspotenzial zu erhöhen", schrieben die IWF-Experten. Das Land sollte in dieser Rolle stärker die gemeinsame europäische Vision für eine stabile Architektur des Währungsraums nach der aktuellen Krise nach außen vertreten. Damit könne Deutschland etwas für die Rückgewinnung von Vertrauen an den Märkten tun. Zudem könnten die Strukturreformen in einigen Euro-Problemländern ergänzt werden mit gesamteuropäischen Bemühungen, wie etwa einem flexibleren Einsatz von EU-Mitteln in den Strukturfonds.

Das hohe Maß an Offenheit der deutschen Wirtschaft im Handel und im Finanzbereich, gepaart mit nach wie vor relativ hohen Außenständen der deutschen Banken im benachbarten Ausland, birgt laut IWF Risiken. Komme es zu tiefen Erschütterungen im Euro-Raum, könnte das für Deutschland einen "massiven Einbruch" auslösen, warnte der Fonds in seinem Länderbericht.

"Das Abschneiden der deutschen Wirtschaft trotz starken Gegenwindes ist bemerkenswert", urteilten die Fachleute des IWF aber mit Blick auf die deutsche Wachstums-, Finanz- und Arbeitsmarktentwicklung. Allerdings deute einiges darauf hin, dass die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt langsam auslaufe. Aufgabe der Politik sei es, die deutsche Wirtschaft stärker gegen Abwärtsrisiken abzusichern. Dabei gehe es vor allem um eine Stärkung des Wachstumspotenzials. So müsse mehr getan werden, um die Binnennachfrage anzukurbeln.

Hilfe für Slowenien?

Unterdessen wird Slowenien an den Finanzmärkten als sechster Kandidat für den Euro-Rettungsschirm ins Spiel gebracht. Der Sprecher der EU-Kommission bestätigte dies am Dienstag in Brüssel jedoch nicht: "Wir haben keinen Antrag aus Slowenien erhalten und wir geben keinen weiteren Kommentar zu dem Thema." Ratingagenturen hatten Sloweniens Kreditwürdigkeit zuletzt gesenkt. Das Land leidet unter einem Einbruch der Wirtschaft und benötigt zudem hohe Summen, um marode Banken zu unterstützen. Bislang erhalten bereits Griechenland, Portugal, Irland, Zypern sowie spanische Banken Hilfskredite der Euro-Partner bzw. haben diese beantragt.