Marktbericht

Erkaltete Liebe

Frank Stocker über die Gebühren für Bundesschatzbriefe

Wer mit Geld zugeschüttet wird, der muss sich nicht mehr um Finanziers bemühen. Das lernen gerade all jene, die einen Teil ihres Geldes in Bundesschatzbriefe oder ähnliche Papiere des Bundes gesteckt haben. Denn die Regierung plant, die kostenfreie Verwahrung von Bundeswertpapieren für Privatkunden abzuschaffen. Private Sparer sollen künftig nur noch über Banken in diese Titel investieren können, die dann Gebühren verlangen. Laut einem Bericht des "Handelsblatts" will die Regierung die privaten Depots bei der Finanzagentur des Bundes aus Kostengründen abschaffen. Dies gehe aus einem Papier des Finanzministeriums hervor.

Seit einigen Monaten rennen internationale Investoren dem Bund geradezu die Türen ein, wenn er neue Anleihen am Markt platziert. Denn die Bonität Deutschlands gilt nach wie vor als ausgezeichnet. Zeitweise waren Anleger daher sogar bereit, Negativzinsen zu akzeptieren - sie mussten draufzahlen, damit sie dem Bund ihr Geld leihen durften.

Vor diesem Hintergrund hat es der Bund offenbar nicht mehr nötig, um die Spargroschen seiner Bürger zu werben. Doch auch deren Liebe für das Papier ist erkaltet. Zurzeit haben Private noch rund 8,5 Milliarden Euro in rund 330.000 Depots bei der Finanzagentur liegen - nicht einmal ein halbes Prozent der insgesamt über 1,9 Billionen Euro, die Privatanleger an Sparvermögen besitzen. Bundeswertpapiere sind nicht mehr im Trend. Die neuen Gebühren werden diese Entwicklung eher noch verstärken.