Preiserhöhungen

Gas wird deutlich teurer

Die Energieriesen RWE und E.on erhöhen die Preise. Wer wechselt, kann über 500 Euro sparen

- Insgesamt 32 Gasversorger erhöhen Juli, August und September ihre überregionalen Tarife. Darunter auch die Energieriesen RWE und E.on. Das geht aus Untersuchungen der Vergleichsportale Check24 sowie Verivox hervor. Nach Berechnungen von Check24 steigen die Preise im Schnitt um sieben Prozent - für einen Vier-Personen-Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden bedeutet das ein Plus von 91 Euro im Jahr. In der Spitze steigen die Preise gar um fast 16 Prozent - für besagten Durchschnittshaushalt bedeutet das 190 Euro mehr auf der Gasrechung.

Lediglich zwei Anbieter haben angekündigt, ihre Preise zu senken - einer davon ist die EnBW, die im August den Preis für ihren Tarif "ErdgasPlus" um 0,9 Prozent senken wird - für einen Vier-Personen-Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden Verbrauch entspricht das einer durchschnittlichen Ersparnis von 13 Euro im Jahr. "Allerdings hat die EnBW ,nur' ihr Tarifsystem für die Gaspreise umgestellt. Vorher war der Gas-Grundversorgungstarif ein Stufentarif der relativ kompliziert war und jetzt vereinfacht wurde", sagt Isabel Wendorff, Check24-Energieexpertin.

Auch beim Berliner Grundversorger Gasag heißt es, man überlege, Kunden "attraktive Preisangebote" zu machen. Allerdings sei noch keine definitive Entscheidung darüber gefallen. Ob es zu Preissenkungen komme und wie hoch diese ausfallen, hänge sowohl von der allgemeinen Energiepreisentwicklung als auch der Wettbewerbssituation in Berlin ab. Egal wie die Gasag-Entscheidung für die kommende Heizsaison ausfällt: Berliner Kunden, die in ihrem Grundversorgungstarif angemeldet sind, sollten über einen Wechsel nachdenken, wenn sie Geld sparen wollen. 507 Euro, hat Chek24-Frau Wendorff errechnet, können Berliner Kunden bei einem Wechsel aus der Grundversorgung sparen.

Nur jeder Zehnte wechselt

Obwohl Verbraucher bei einem Wechsel ihres Gas-Anbieters deutlich höher und nachhaltiger sparen können als beispielsweise bei Strom, ist die Bereitschaft, zum Alternativanbieter zu gehen, in der Sparte eher gering, sagt auch Reinhard Goethe, Geschäftsführer des Energieportals Hauspilot: "Viele Kunden wissen nicht, dass der Gaswechsel überhaupt möglich ist und gar keine Probleme bereitet." Nur etwa jeder zehnte Gas-Kunde schaut sich nach anderen Angeboten am Markt um und greift auch zu.

Dabei ist es der Wettbewerb um Kunden, der vor allem unter den alternativen Gasanbietern die Preise niedrig hält. "Der muntere Preiswettbewerb unter den alternativen Anbietern hat dazu geführt, dass ihr Preisniveau seit zwei Jahren im Wesentlichen stabil geblieben ist - auch während Grundversorger bereits wieder im ,Preiserhöhungsmodus' waren", sagt Goethe. Er rechnet damit, dass neue Anbieter weiter die Preise senken werden. Spielräume könnten sich aus den seit Monaten fallenden Gas-Großhandelspreisen ergeben. Auch bei den klassischen Versorgern sieht er keinen deutlichen Preisanstieg auf Kunden zukommen: "Viele Grundversorger orientieren sich bei ihrer Gaspreisbildung immer noch an der Ölpreisentwicklung. Da auch hier der Trend nach unten zeigt, ist in den kommenden Monaten eher mit stabilen Preisen zu rechnen."

Insgesamt jedoch ist jetzt ein guter Zeitpunkt, den alten Gasvertrag zu überprüfen und einen neuen abzuschließen. "Man sollte sich allerdings nicht unnötig lange vertraglich binden, denn die Zeichen stehen eher auf ein weiteres Absinken des Marktes als ein erneutes Ansteigen", sagt Goethe. Lange Laufzeiten verhindern, dass man günstige Angebote wahrnehmen kann, wenn sie - oft nur für kurze Zeit - am Markt sind. "Viele scheinbar günstige Tarife sind in der Erfahrung der Verbraucher schon nach ein bis zwei Jahren teurer als die Grundversorgung", sagt Goethe. Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox schätzt die Entwicklung des Gaspreises anders ein. Er sieht die Preise steigen und empfiehlt daher eine langfristige Bindung: "Da wir mit deutlichen Preissteigerungen rechnen, halte ich eine Preisgarantie für besonders empfehlenswert."

Die weitere Entwicklung des Gaspreises ist recht schwer abzuschätzen. Im Wesentlichen wirken sich die beiden Großhandelsmärkte - einerseits für Erdöl, andererseits für Erdgas - aus. "Durch das seit einigen Jahren bestehende tendenzielle Überangebot von Erdgas haben sich diese Märkte, die früher sehr eng miteinander verbunden waren, voneinander abgekoppelt", sagt Goethe. Es habe sich eine eigener "Gas-zu-Gas-Wettbewerb" entwickelt. Interessante Marktwirkungen ergeben sich in seinen Augen für den Verbraucher vor allem daraus, dass die klassischen Versorger oft noch "in der Vertrags- und Denkwelt der Ölpreisbindung gefangen" zu sein scheinen, während neue Anbieter, unter Nutzung aller neuen Möglichkeiten des modernen Erdgashandels, die Chancen der Marktbewegung für den Ausbau ihres Geschäftes nutzen würden.

Nicht alle Tarife empfehlenswert

Mit neuen Anbietern kommen auch neue Tarife und Tarif-Arten auf den Markt - nicht alle sind empfehlenswert. Oft locken Versorger Neukunden mit hohen Boni. Das kann sich auch für den Kunden lohnen. Allerdings ist zu bedenken, dass einmalige Boni nur im ersten Jahr die Rechnung drücken - und das meist nur, wenn der Vertrag auch durchgehalten wird. Wer also beispielsweise wegen einer Preiserhöhung bereits im ersten Vertragsjahr wieder wechseln möchte, der läuft Gefahr, den Rabatt wieder zu verspielen. Reinhard Goethe rät zudem von Verträgen ab, bei denen eine bestimmte Menge vereinbart ist: ",Gaspakete' entpuppen sich oft am Ende als teuer, weil aufgrund der Witterungsabhängigkeit des Verbrauchs die Menge selten getroffen wird." Dann fielen entweder Mehrverbrauchspreise an, oder aber der Kunde verschenke einen Teil der bereits gekauften Menge.