Flughafengebühren

Spanien bittet Touristen zur Kasse

Regierung erhöht die Flughafengebühren. Air Berlin hält das Vorgehen für rechtswidrig und erwägt eine Klage

- Auf der Suche nach zusätzlichen Einnahmen macht die spanische Regierung auch vor der prosperierenden Tourismusbranche nicht halt. Die Flughafengebühren in Spanien werden Anfang Juli im Schnitt um 19 Prozent steigen. Zudem droht eine Erhöhung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für die meisten Dienstleistungen in der Hotellerie von acht auf achtzehn Prozent. Urlaub in Spanien dürfte damit merklich teurer werden. Die betroffenen Airlines sind empört.

Die Erhöhung der Flughafengebühren hat das Kabinett bereits Ende vergangener Woche verabschiedet. Sie ist am Sonntag in Kraft getreten. Auf den beiden größten Flughäfen des Landes, in Madrid und Barcelona, wollen die Behörden die Gebühren angeblich sogar um 50 Prozent erhöhen. In Spanien sind fast alle Flughäfen in Staatsbesitz. Laut Schätzungen spanischer Airlines wird sich der durchschnittliche Ticketpreis um zehn Euro erhöhen.

Am meisten davon betroffen ist die ehemalige Staatsairline Iberia, die mittlerweile zu British Airways gehört. Durch die höheren Flughafengebühren fallen im zweiten Halbjahr Mehrkosten von 50 Millionen Euro an. Man werde versuchen, diese finanziellen Mehrbelastungen an die Passagiere weiterzugeben, heißt es bei der spanischen Airline.

Berliner zahlen unter Vorbehalt

Aber nicht nur auf die spanischen Airlines, sondern auch auf ausländische Fluggesellschaften wie Air Berlin kommen jetzt durch den Schnell-Beschluss mitten in der touristischen Hochsaison neue finanzielle Lasten zu. Denn die jetzt abgeflogenen Tickets sind in der Regel meist schon komplett bezahlt. Die Fluggesellschaften haben also wahrscheinlich keine Möglichkeit, den neu zu zahlenden Betrag von den Kunden nachzufordern. Air Berlin hält den Beschluss der spanischen Regierung deshalb schlicht "für rechtswidrig", sagte Air-Berlin-Sprecher Uwe Berlinghoff. Die Berliner betreiben auf der Insel Mallorca ein großes Luft-Drehkreuz. Laut einer EU-Verordnung können solche Gebühren nicht ohne Konsultationen und unter Einhaltung bestimmter Fristen erhöht werden, heißt es bei Air Berlin. "Wir werden die Gebühren jetzt nur unter Vorbehalt zahlen." Die Spanier könnten bei Nichtzahlung ansonsten sofort die Flugzeuge konfiszieren und stilllegen.

Auch der Deutsche Reiseverband DRV sieht die EU-Verordnung über die Erhebung von Landegebühren "eindeutig verletzt", sagte DRV-Präsident Jürgen Büchy. Entscheidungen über eine Gebührenerhöhung müssten den betroffenen Airlines zwei Monate vor Inkrafttreten mitgeteilt werden. Die britische Billigfluggesellschaft Easyjet hatte bereits vor kurzem mitgeteilt, dass sie ihre Station in Madrid wegen zu hoher Steuern und Gebühren schließen wird. Die Briten wollen die spanische Hauptstadt zwar weiter anfliegen, aber entlassen angeblich 200 Mitarbeiter.

Die Berliner versuchen nun über die Luftfahrt-Verbände BDL und BDF auf die spanische Regierung einzuwirken, die Eintreibung der erhöhten Gebühren auszusetzen. Sollte diese dazu nicht bereit sein, werde im "Zweifelsfall vor dem Europäischen Gerichtshof Klage eingereicht", hieß es. Angeblich prüft die spanische Regierung zudem die Erhöhung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes von acht auf 18 Prozent. Der reduzierte Satz gilt für viele Dienstleistungen in der Hotellerie und im Tourismus. Noch ist nichts beschlossen, aber Brüssel hat bereits eine Mehrwertsteuererhöhung angemahnt, weil der Regierung von Mariano Rajoy die Steuereinnahmen wegbrechen. "Da kommt eine riesige Mehrbelastung auf die Unternehmen zu, das werden die Reiseveranstalter und Airlines nicht mehr an ihre Kunden weitergeben können", sagt ein Branchenexperte.

Unterdessen muss sich die spanische Tourismusindustrie darauf einrichten, dass viele Spanier wegen der Wirtschaftskrise in diesem Jahr zuhause bleiben werden. Nur noch 40 Prozent der Spanier planen dieses Jahr einen Strandurlaub, weitere zehn Prozent wollen ein paar Tage im Inland verbringen. Für die andere Hälfte der krisengeschüttelten Spanier fällt der Urlaub dieses Jahr flach, denn viele haben ihren Job verloren (die Arbeitslosenquote liegt bei 25 Prozent) oder kein Urlaubsgeld bekommen. "Wir gehen davon aus, dass dieses Jahr 40 Prozent weniger Einheimische in Spanien Urlaub machen als letztes Jahr", hieß es bei der CEHAT, dem Dachverband der spanischen Hotels und touristischen Unterkünfte. Das dürfte dieses Jahr ganz besonders auf den Kanaren und Balearen auffallen. So kommen diesen Sommer auf den Kanaren auf einen Spanier vier Ausländer. Das gleiche gilt für Mallorca.

Italiener bleiben zu Hause

Doch nicht nur in Spanien sondern auch im bei deutschen Urlaubern sehr beliebten Italien wollen viele Einheimische ganz zu Hause bleiben oder knappsen an der Urlaubskasse. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts SWG gibt einer von drei Italienern an, in diesem Jahr etwa im Urlaub selbst kochen zu wollen und mit selbst belegten Panini an den Strand zu gehen. Die Branche erwartet ein Katastrophenjahr. So haben Meinungsforscher von SWG ermittelt: Jeder zweite Italiener möchte 2012 die Ferien zuhause verbringen. Und selbst die ansonsten reisefreudigen Franzosen sind auf dem Spartrip. Fast die Hälfte will kein Geld für Ferien ausgeben - und bei Verwandten, Freunden oder im eigenen Ferienhäuschen Urlaub machen.