Technik

Blackberry sucht Microsofts Hilfe

Partnerschaft wird geprüft. Hersteller RIM rutscht tiefer in die roten Zahlen als befürchtet

- Der angeschlagene Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) sucht in seiner Not offenbar Zuflucht in einer Kooperation mit Microsoft. Nachdem das Unternehmen den Marktstart seines neuen Hoffnungsmodells um mehr als ein Jahr verschieben muss, sondiert es eingeweihten Personen zufolge, das eigene Betriebssystem aufzugeben und Microsofts Windows-Variante einzusetzen.

Allerdings befürchten Branchenexperten bereits das Schlimmste für den kanadischen Konzern, der nun auch für das abgelaufene Quartal einen Verlust auswies. "Es ist, wie einen Welpen sterben zu sehen. Es ist furchtbar", sagte Analyst Matthew Thornton von Avian Securities. Die RIM-Aktie brach nachbörslich um 18 Prozent ein. Binnen Jahresfrist haben die Titel drei Viertel an Wert verloren, an der Börse ist das Unternehmen nur noch mit knapp fünf Milliarden Dollar bewertet.

Fachleute sehen in den Plänen einen Akt der Verzweiflung des deutschen Firmenchefs Thorsten Heins ohne große Aussicht auf Erfolg. Auch der ebenfalls kriselnde Handygigant Nokia hatte sich im Abwehrkampf gegen die Aufsteiger Apple und Samsung an den US-Softwareriesen gewandt, die Trendwende blieb allerdings bislang aus. Im Gegenteil: Der finnische Konzern weitet seinen Verlust aus und streicht Zehntausende Stellen.

Der frühere Siemens-Manager Heins, der als Chef der Mobilfunksparte den Niedergang des Handygeschäfts der Münchner begleitete, war mit dem Ziel angetreten, das Ruder bei RIM mit einem eigenen, neuen Betriebssystem herumzureißen. Doch die Entwicklung der Software dauert länger, wie das Unternehmen zum Entsetzen der Anleger am Donnerstag einräumte. Deshalb kommen die neuen Modelle erst 2013 auf den Markt.

Schon kurz nach Heins' Amtsantritt klopfte Microsoft-Chef Steve Ballmer Insidern zufolge bei RIM an, um dem Unternehmen eine ähnliche Partnerschaft wie mit Nokia schmackhaft zu machen. Der ebenfalls gegen den Abstieg kämpfende einstige Handy-Platzhirsch aus Finnland setzt in seinen Mobiltelefonen das aktuelle Microsoft-Betriebssystem ein.

Einst Statussymbol

Mit dem Siegeszug des iPhone von Apple und dem Android-Betriebssystem von Google, das auf diversen Handys unter anderem von Samsung läuft, zog sich die Schlinge um RIM und Nokia immer enger. Das nächste iPhone wird noch in diesem Jahr erwartet, neue Handys mit Google-Software kommen ständig nach. Einst waren die Blackberry-Geräte Statussymbole von Managern rund um den Erdball, seit dem Erfolg der Konkurrenz aus Asien und den USA verkaufen die Kanadier allerdings immer weniger Modelle. Bei einer Partnerschaft mit Microsoft könnte der Softwareriese auch Anteile von RIM übernehmen und das Unternehmen finanziell unterstützen. Diese Möglichkeit ist den Kreisen zufolge aber bei dem Konzern aus dem kanadischen Waterloo besonders unpopulär, weil sie dessen Eigenständigkeit beenden würde. Blackberry-Chef Heins hielt im Gespräch mit Analysten an seiner Strategie eines integrierten Konzerns fest - mit Handys, eigener Software und eigenem Netz.

Heins hatte eine Strategieüberprüfung angestoßen, bei der Investmentbanker von JPMorgan Chase die Optionen für das Unternehmen ausloten. Klar ist: Die Lage hat sich seit Beginn dieser Prüfung nicht verbessert: Im ersten Geschäftsquartal stand unter dem Strich ein Verlust von 192 Millionen Dollar in den RIM-Büchern, nach einem Gewinn von 695 Millionen Dollar vor einem Jahr. Der Umsatz brach um 33 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar ein. Zudem kündigte RIM die Streichung von 5000 Stellen an.