Chefetage

Neuer Chef für die Gasag

Stefan Grützmacher aus Kiel rückt überraschend an die Spitze des Berliner Energieversorgers

- Nach fünf Jahren mit einer Doppelspitze bekommt der Berliner Energieversorger Gasag wieder einen Chef. Der Aufsichtsrat bestellte am Donnerstag den 46 Jahre alten Stefan Grützmacher zum Vorstandsvorsitzenden. Der neue wird im Herbst nach Berlin wechseln. Noch ist Grützmacher Chef der Stadtwerke Kiel.

Der früher landeseigene Gasversorger Gasag gehört inzwischen der E.on Ruhrgas, der französischen Gaz de France Suez und dem Energiekonzern Vattenfall Europe. Seit einigen Jahren ist die Gasag dabei, sich von einem reinen Verteiler von Gas in ein differenziert auftretendes Energieunternehmen zu entwickeln. "Die zunehmende Komplexität des Energiegeschäftes, gerade auch vor dem Hintergrund der Energiewende, die trotz aller Herausforderungen zweifellos auch eine Vielzahl von Wachstums- und Entwicklungs-Chancen für ein Unternehmen wie die Gasag bietet, hat den Aufsichtsrat zu dieser Bestellung veranlasst", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Jochum nach der Entscheidung für Grützmacher.

Gasag-Mitarbeiter sind froh, dass nun wieder ein Chef das Sagen hat in der neuen Gasag-Zentrale am Henriette-Herz-Platz unweit des Hackeschen Marktes. Denn seit dem Ausscheiden von Georges Hoffmann 2007 war der Posten unbesetzt. Wie es heißt, haben sich die beiden Vorstände Olaf Czernomoriez und Andreas Prohl schon lange misstrauisch belauert und dadurch viele Entwicklungen im Unternehmen blockiert.

Die Gasag setzt nun mit dem neuen Chef für insgesamt 1900 Mitarbeiter auf Diversifizierung. Neben der reinen Verteilung von Gas geht die Gasag auf neue Geschäftsfelder. Wärmedienstleistungen und vor allem der Verkauf von Strom aus dezentralen Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen (KWK) und erneuerbaren Energien sollen das Unternehmen zu einem wichtigen Akteur auch auf dem regionalen Strommarkt machen. Bisher steuert der Gasabsatz aber immer noch fast eine Milliarde Euro zum Gesamtumsatz des Konzerns von 1,165 Milliarden Euro bei. Dazu bietet die Gasag Mini-Blockheizkraftwerke und Mikro-KWK-Anlagen für den Einfamilienhaus-Keller an. Mit dieser Expansion hat sich die Gasag auf das Terrain seines Anteilseigners Vattenfall begeben. Auch das war ein Grund, warum Vattenfall seinen Gasag-Anteil gerne verkauft hätte, was jedoch bisher jedoch nicht gelungen ist.

Grützmacher bringe in all diesen Bereichen die besten Voraussetzungen mit, lobte Gasag-Aufsichtsratschef Jochum den neuen Spitzenmanager.

Tatsächlich hat Grützmacher als Chef der Kieler Stadtwerke Erfahrungen auch mit dem Stromgeschäft, ebenso wie mit der Wasser- und Gasversorgung gesammelt. Zuvor war er bis 2004 Geschäftsführer der Stadtwerke Solingen, nach der Übernahme von 51 Prozent des Kieler Versorgers durch den börsennotierten Mannheimer Energieversorger MVV wechselte er nach Schleswig-Holstein. Seine berufliche Laufbahn hatte der Betriebswirt bei der Veba begonnen.

Die Zukunft eines wichtigen Teils der Gasag ist jedoch ungewiss. Es ist unklar, ob das Unternehmen weiterhin das Berliner Gasnetz betreiben wird. Die Konzession endet 2013. Die Stadt wird den Betrieb ausschreiben. Im Interessenbekundungsverfahren haben sich neben der Gasag fünf weitere Unternehmen beworben.