Marktbericht

Laborversuch für Europa

Holger Zschäpitz über die Anleihen von Bund und Ländern

Deutschland schlägt Italien und wird Europameister. Was auf dem Fußballplatz nicht als sicher gelten kann, dürfte an den Märkten mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eintreten. Denn Bund und Länder wollen ab 2013 gemeinsame Schuldtitel ausgeben. Mit den Gemeinschaftsanleihen würde der hiesige Anleihenmarkt um 50 Prozent auf rund 1,7 Billionen Euro wachsen. Hinter den USA und Japan entstünde der weltweit drittgrößte Marktplatz für Staatsschuldtitel. Sogar die Hochschuldennation Italien würde Deutschland damit überflügeln. "Die geplanten Gemeinschaftsanleihen sind ein gigantischer Schritt für den deutschen Anleihemarkt, der von den Märkten noch unterschätzt wird", sagt Peter Schaffrik, Analyst bei RBC Capital in London.

Seit zehn Jahren hatten die Länder versucht, den Bund von sogenannten "Deutschland-Bonds" zu überzeugen. Doch die geplanten gemeinsamen Anleihen stoßen bei vielen Experten bereits auf Kritik. "Damit schafft man Euro-Bonds auf nationaler Ebene", sagt der Steuerexperte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Alfred Boss. Denn durch die Bonds würden die Zinsunterschiede zwischen den Bundesländern zugeschüttet, die die Funktion haben zu zeigen, wo es Probleme gebe. So müssen Bayern und Baden-Württemberg den geringsten Zinsaufschlag zahlen, für Berlin oder Schleswig-Holstein ist die Finanzierung der Schulden teurer. Boss befürchtet: Der deutschen Regierung werde es nun noch schwerer fallen, gemeinsame Euro-Bonds abzulehnen.