Umfrage

Jeder fünfte Deutsche zweifelt an Sicherheit seiner Spareinlagen

Die Schuldenkrise nagt zunehmend am Vertrauen der Deutschen in ihre Banken.

- 58 Prozent der Kunden haben heute weniger Vertrauen in die Stabilität ihres Geldhauses als noch vor zwölf Monaten. Sorge bereitet den Menschen vor allem die unsichere wirtschaftliche Lage in Europa, die auch auf die heimische Konjunktur und die heimischen Kreditinstitute durchschlagen könnte. Die tiefe Verunsicherung zeigt sich auch darin, dass jeder fünfte Sparer sich mittlerweile Sorgen um seine Einlagen macht. Das sind Ergebnisse einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst&Young im März unter weltweit mehr als 28.500 Bankkunden, davon 1000 in Deutschland.

Beruhigend aus Sicht der heimischen Finanzwirtschaft ist nur, dass in vielen anderen europäischen Ländern das Vertrauen in die Banken noch sehr viel deutlicher gesunken ist. So beschleicht mehr als 80 Prozent der Griechen, 76 Prozent der Spanier und 72 Prozent der Italiener heute ein noch mulmigeres Gefühl als vor einem Jahr, wenn sie an ihre Kreditinstitute denken. Unter allen weltweit befragten Kunden sehen 22 Prozent die Banken gut vier Jahre nach dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise positiver als 2011, in Deutschland sind dies nur fünf Prozent.

Neben der Eurokrise und der damit verbundenen Sorge um das Ersparte auf Sparbüchern, Tagesgeld- und Festgeldkonten gibt es für das gestiegene Misstrauen unter den deutschen Kunden allerdings auch Gründe, die nicht gleich an den Grundfesten unseres Geldsystems rütteln. So halten 56 Prozent der befragten Bürger in Deutschland Art und Umfang der Bonuszahlungen, die in der Finanzbranche gewährt werden, für unangemessen. 42 Prozent gaben an, dass die Qualität der Beratung und der angebotenen Produkte ein Grund seien, den Instituten heute skeptischer als vor zwölf Monaten gegenüberzutreten.

Vertrauen in Bankberater gesunken

Dazu passt, dass der Anteil jener Kunden, die in Deutschland bei mehr als einer Bank sind, von 59 Prozent im Jahr 2011 auf nun 62 Prozent gestiegen ist. Weltweit haben bereits 68 Prozent der Menschen Geschäftsbeziehungen zu mehreren Geldhäusern. Deutsche Sparer gehen mehr und mehr dazu über, für jedes Produkt den passenden Anbieter zu suchen. Kunden wählen die Banken aus, die ihnen die besten Gebühren (51 Prozent) oder den besten Service (33 Prozent) für ein bestimmtes Produkt anbieten. Doch auch der Sicherheitsgedanke spielt bei einigen Verbrauchern eine Rolle. Immerhin 13 Prozent der Befragten verteilen ihr Geld auf mehrere Banken, um Risiken zu reduzieren. Das gesunkene Vertrauen vieler Kunden zeigt sich zudem in ihrem Informationsverhalten. Verließen sich früher viele auf die Meinung des Beraters in der Filiale, sind ihnen heute Empfehlungen von Freunden und Familie, sowie von Vergleichsportalen im Internet sehr viel wichtiger.