Banken

Berufsverbot für den gierigen Fred

Er führte die Royal Bank of Scotland fast in die Pleite. Nun soll Ex-Chef Goodwin büßen

- Für viele Briten ist Fred Goodwin der Inbegriff des bösen Bankers. Großmannssucht und Rücksichtslosigkeit werden dem ehemaligen Top-Manager nachgesagt, dessen Spitzname "Fred, the shred" lautet, Fred, der Kapitalvernichter. Als Chef der heute weitgehend verstaatlichten Royal Bank of Scotland (RBS) manövrierte der Schotte das Finanzinstitut vor vier Jahren an den Rand der Pleite. Jetzt soll der 53-Jährige endlich dafür bestraft werden.

Ein Gutachten, das der britische Wirtschaftsminister Vince Cable in Auftrag gegeben hat, kommt zu dem Schluss, dass Goodwin mit einem lebenslangen Berufsverbot belegt werden kann, wie mehrere britische Zeitungen berichteten. Demnach dürfte er nie wieder in einem Vorstand oder einem Aufsichtsrat sitzen. Auch eine Reihe anderer ehemaliger RBS-Manager könnten mit dem Verbot belegt werden.

2008 war RBS kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers in Schieflage geraten. Nur 45,5 Milliarden Pfund (56,4 Milliarden Euro) Steuergeld konnte ein Aus des schottischen Geldinstituts verhindern. Goodwin wurde damals schon hauptverantwortlich dafür gemacht, dass die Bank in dem Jahr den größten Verlust der britischen Wirtschaftsgeschichte einfuhr. Im Februar 2012 wurde ihm deswegen bereits sein Rittertitel aberkannt.

Nun allerdings wird es noch ernster. Das neue Gutachten besagt, es gäbe "Beweise, die eine Strafverfolgung möglich machen". Das Berufsverbot soll demnach nicht das Wirtschaftsministerium, sondern ein Gericht aussprechen. Weil RBS ein schottischer Konzern ist, ist vermutlich ein schottisches Gericht zuständig.

Einzelheiten des Gutachtens wurden zunächst nicht bekannt. Ein Bericht der britischen Bankenaufsicht FSA kam bereits zu dem Schluss, RBS sei durch "eine ganze Reihe schlechter Entscheidungen" in die Krise geraten. Die Bank verfügte demnach über zu wenig Eigenkapital, hatte Produkte überbewertet und die internen Kontrollmechanismen waren mangelhaft. Besonders der überteuerte Kauf der niederländischen Bank ABN Amro habe RBS ins Wanken gebracht.

ABN Amro wurde zum Sinnbild für Goodwins Großmannssucht. 2007 beteiligte sich RBS unter seiner Führung an der größten Bankenübernahme der Welt. Für 71,8 Milliarden Euro kaufte RBS mit der niederländisch-belgischen Fortis-Gruppe und der spanischen Bank Santander die Bank ABN Amro. Anschließend wurde das niederländische Finanzinstitut unter den drei Käufern aufgeteilt. Die Übernahme katapultierte RBS auf Platz 10 der größten Banken der Welt. Nach Ausbruch der Finanzkrise 2008 häuften sich jedoch die Verluste, die Regierung musste einschreiten. Heute gehören dem britischen Staat 84 Prozent der Bank.

Neben Goodwin könnten laut "Daily Telegraph" auch anderen, ehemaligen RBS-Managern ein Gerichtsverfahren drohen. So nannte die Zeitung den ehemaligen RBS-Investmentchef Johnny Cameron. Er ist als einziger des ehemaligen Bankvorstands bereits verurteilt. Im Mai 2010 verbot ihm die Bankenaufsicht FSA jegliche Vollzeitarbeit in einer Bank oder Versicherung.