Kommentar

Hartnäckige Boykotteure

Daniel Wetzel über die schlechte Akzeptanz von E10

Die Umfrage zur Akzeptanz des Biokraftstoffs E10 in der Bevölkerung verheißt nichts Gutes für die deutsche Energiewende. Zwar ist der ökologische Mainstream stark und breit in Deutschland, doch von den 30 Millionen Besitzern von Pkws mit Benzinmotor sagen zwei Drittel, dass sie den umweltfreundlicheren Sprit nicht tanken wollen. Und 80 Prozent derjenigen, die E10 doch getankt haben, wählte den Sprit, weil er billiger ist, nicht wegen der Umweltverträglichkeit.

Die Umfrage zeigt zum einen: Die Akzeptanz für Öko-Energie hängt stark vom Preis ab. Und zum anderen: Die Deutschen kaufen den Eliten nicht mehr alles ab, selbst dann nicht, wenn das Öko-Etikett draufpappt. Wenn auch noch so viele Politiker, Institute und Verbände versichern, neun von zehn Autos vertrügen den Biosprit: Man glaubt es ihnen nicht. Nicht nur die Zahlungs-, auch die Risikobereitschaft der Bürger kennt offenbar Grenzen.

Die Hartnäckigkeit der Biosprit-Boykotteure, rational begründet oder nicht, ist eine Warnung an all jene Umweltpolitiker und Ökolobbyisten, die mit einem "Koste es, was es wolle" unbedingt mit dem Kopf durch die Wand wollen. Beim Biosprit gilt ebenso wie beim Stromnetz- und Kraftwerksbau oder der Gebäudesanierung: Die Politik muss die Menschen mitnehmen. Willkürlich gesetzte Planzahlen zu erfüllen hilft da eher nicht.