USA

Morgan-Stanley-Banker steuerte desaströsen Facebook-Börsengang

Den missglückten Facebook-Börsengang hat offenbar vor allem ein Banker von Morgan Stanley zu verantworten.

- Michael Grimes, ein erfahrener Manager der Bank im kalifornischen Silicon Valley, habe bei den Facebook-Verantwortlichen darauf bestanden, der "einzige Entscheider" beim Börsengang des sozialen Netzwerks zu sein, berichtete das "Wall Street Journal". Grimes habe vor allem den Einfluss der anderen beteiligten Banken einschränken wollen - vor allem den der Konkurrenten Goldman Sachs und JPMorgan Chase.

Morgan Stanley sollte so eine "ungewöhnlich große Kontrolle" über den Börsengang bekommen und damit den größten Teil der üppigen Gebühren einstreichen. Dem Bericht zufolge gelang es Grimes gemeinsam mit den Verantwortlichen von Facebook, die Bank-Konkurrenten von mehreren Treffen fernzuhalten. Sie hätten daher die Nachfrage nach den Aktien des sozialen Netzwerks nicht richtig einschätzen können.

Der Börsengang von Facebook war eine der größten Neuemissionen aller Zeiten, die Alteigentümer nahmen 16 Milliarden Dollar (12,64 Milliarden Euro) ein. Für Anleger ist das Papier bisher enttäuschend: Die Aktie ist seit der Erstnotiz kräftig gefallen. Das soziale Netzwerk und die am Börsengang beteiligten Banken müssen sich gegen Klagen von Investoren wehren, zudem prüft die US-Börsenaufsicht die Umstände der Neuemission.

Als ein Grund für den Kurssturz der Aktie gilt, dass Facebook und die beteiligten Banken die Nachfrage offenbar überschätzten. Grimes und Morgan Stanley sollen dem Bericht zufolge darauf gedrungen haben, die Zahl und den Preis der Aktien noch zu erhöhen, und zwar gegen den Rat eines Managers von Goldman Sachs. Laut "Wall Street Journal" drückten Grimes und seine Bank zudem durch, dass 26 Prozent der Aktien an Privatanleger gingen. Normal seien 15 Prozent. So seien viele Kleinanleger an mehr Facebook-Papiere gekommen, als sie wollten.