Neuer Kurs

Energiekonzern RWE will keine Atomkraftwerke mehr bauen

"Atomausstieg 2.0" beim Energiekonzern RWE: Nach der Energiewende in Deutschland gibt Deutschlands größter Stromproduzent auch alle Pläne für den Neubau von Atomkraftwerken im Ausland auf.

- Wenige Wochen vor seinem Amtsantritt kündigte der neue Konzernchef Peter Terium (48) an: "Wir werden nicht mehr in neue Kernkraftwerke investieren." Das finanzielle Risiko von Reaktor-Neubauten sei für Deutschlands zweitgrößten Energieversorger "nicht zumutbar". Der Manager verabschiedet sich damit vom Pro-Atom-Kurs seines Vorgängers Jürgen Großmann.

Konkurrent E.on, Nummer 2 beim Strom in Deutschland, hält sich dagegen die Option zum Neubau von Reaktoren im Ausland ausdrücklich offen. "Wir entscheiden das je nach Markt", sagte Konzernsprecher Carsten Thomsen-Bendixen. Derzeit bereitet E.on im finnischen Pyhäjoki mit einheimischen Partnern den Bau eines Atomkraftwerks vor. Außerdem ist E.on an drei Atomkraftwerken in Schweden beteiligt. RWE hält nur noch 30-Prozent am niederländischen Atomkraftwerk Borssele.

Statt in Atomkraft will der neue RWE-Chef Terium in erneuerbare Energien investieren. Dabei kommt auch die bislang von RWE eher kritisch beurteilte Solarenergie zu neuen Ehren. Der Preisverfall bei Solarmodulen sei um ein Vielfaches höher ausgefallen, als erwartet, sagte Terium. Vor allem in Südeuropa und Nordafrika würden Investitionen in Sonnenenergie damit attraktiv. Auch in Deutschland sei RWE bereit, zusammen mit Partnern wie etwa den Stadtwerken den Bau von Solarparks voranzutreiben, wenn der Subventionsrahmen stimme, sagte Terium.

Bereits Ende März hatten RWE und E.on ihre Pläne aufgegeben, gemeinsam in Großbritannien mit einem Kostenaufwand von bis zu 17 Milliarden Euro fünf bis sechs neue Atomkraftwerke zu bauen. Das eigens dafür gegründete Gemeinschaftsunternehmen Horizon Nuclear Power steht nun zum Verkauf. Zuvor hatte RWE bereits Atomkraftwerksprojekte in Rumänien und Bulgarien gestoppt.

Auch beim Bau neuer Gas- und Kohlekraftwerke bremst Terium. Konventionelle Kraftwerksprojekte werde RWE "in absehbarer Zeit" nicht in Angriff nehmen, sagte der Manager. Der Hintergrund: Wegen des Einspeisevorrangs für erneuerbare Energien und gesunkener Großhandelspreise wird der Betrieb konventioneller Kraftwerke für die Energiekonzerne zunehmend unattraktiv.