Technik

Handypfand von 100 Euro gefordert

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Björn Hartmann

Sachverständigenrat will so erreichen, dass mehr Geräte recycelt werden. Sie enthalten viele Rohstoffe

- Sie enthalten viele seltene Rohstoffe, und sie landen häufig einfach im Müll: Mobiltelefone. Vielfach sind die seltenen und deshalb sehr teuren Wertstoffe wie Gold oder Iridium dann für die Wirtschaft verloren. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen fordert deshalb ein Pfand auf Handys. Der Käufer müsste es mit dem Gerätepreis bezahlen und bekäme das Pfand dann zurück, wenn er sich von seinem alten zugunsten eines neuen Gerätes trennen wollte. Martin Faulstich, Vorsitzender des Sachverständigenrates, sprach von einem Pfand zwischen 30 und 100 Euro je Gerät. Er gehe davon aus, dass die Rücklaufquoten für Mobiltelefone dadurch deutlich erhöht werden könnte, sagte er dem Sender MDR Info. Er verwies auf die Pfandsysteme für Getränkeflaschen oder Autobatterien. Sie funktionierten gut, "und wir denken, das könnte bei Mobiltelefonen, Laptops, Computern genauso funktionieren", sagte Faulstich. Der Sachverständigenrat berät Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU).

Ein Handypfand hatte das Gremium auch jüngst in seinem alle vier Jahre erscheinenden Umweltgutachten vorgeschlagen. Ziel ist es, Ressourcen zu schonen und den Bedarf an Rohstoffen und Metallen durch mehr Wiederverwertung zu senken.

Erst im März hatten die Grünen einen Antrag zum Handypfand in den Bundestag eingebracht. Sie forderten allerdings deutlich weniger als die bis zu 100 Euro, die der Sachverständigenrat jetzt anpeilt: Der Grünen-Entwurf sieht ein Pfand von zehn Euro pro Mobiltelefon vor. Dies könne ein erster Schritt zu einer höheren Sammel- und Recyclingquote sein, sagte damals die umweltpolitische Sprecherin der Grünen, Dorothea Steiner.

Nach Steiners Worten sind derzeit in Deutschland fast 100 Millionen Mobiltelefone im Einsatz. Hinzu kommen die Altgeräte: Der IT-Branchenverband Bitkom ermittelte jüngst per Umfrage einen Althandybestand von 83 Millionen, Geräte, die irgendwo in Schubladen liegen und nicht mehr genutzt werden - 15 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Deutschen ersetzen ihre Geräte demnach im Schnitt alle18 bis 24 Monate, zurzeit vor allem durch internetfähige Mobiltelefone.

Die Geräte enthalten unter anderem Gold, Silber, Kupfer und eine Reihe weiterer seltener Metalle - insgesamt rund 60 verschiedene Rohstoffe. Dazu gehören Antimon, Blei, Iridium, Nickel, Wismut und Zinn sowie Seltene Erden wie Yttrium und Europium, die zu 95 Prozent in China gefördert werden. Mehr Recycling könnte die Abhängigkeit von den Chinesen verringern - und die Preise senken.

Derzeit verbrauchen die Handyhersteller rund drei Prozent der Silber- und vier Prozent der gesamten Goldförderung auf der Welt. Die enthaltenen Wertstoffe alter Handys ließen sich zu 80 Prozent weiterverwerten. In den einzelnen Geräten stecken recht geringe Mengen der Stoffe, doch die Menge macht es in diesem Fall. So enthalten eine Million Handys zum Beispiel 150 Kilogramm Silber und mehrere Tonnen Kupfer.

( mit dpa/dapd )